[{"content":" Vorwort # Fünfundvierzig Jahre habe ich gewartet, um meine Memoiren über meine Erlebnisse im KZ Flossenbürg niederzuschreiben. Ich hätte sie früher zu Papier bringen sollen, denn auch die Geschichte ist über Flossenbürg hinweggegangen. Auschwitz, Dachau, Buchenwald, Bergen-Belsen sind seit Langem eingeprägte Schrecken, doch die „Hölle“ von Flossenbürg scheint unbekannt zu sein. Deshalb diese Broschüre, die eine Lücke schließen soll. Diese Broschüre ist zugleich eine Erinnerung an die Barbarei des Nazi-Regimes, die mit keinen Worten zu beschreiben war. Gleichzeitig verneige ich mich vor Zehntausenden und Aberzehntausenden Toten, Menschen, die sich gegen einen herzlosen Tyrannen aufgelehnt hatten und fern von Volk und Heimat wie Tiere starben oder abgeschlachtet wurden. Der Preis für die Freiheit war hoch und blutig. Jüngere Generationen tun gut daran, historisch-menschliche (keine demagogisch-politische) Lektüre über die KZ zu lesen, um sich mit dem Gedanken zu stärken: SO ETWAS DARF NIE WIEDER GESCHEHEN. Wenn das verwirklicht wird, werden der geleistete Widerstand und die Opfer von Millionen Menschen nicht vergeblich gewesen sein. DEMOKRATIE, DIE STIMME DES VOLKES IN VOLLER FREIHEIT, MUSS FÜR JEDEN EIN ANZUSTREBENDES IDEAL BLEIBEN. Die Broschüre ist auch streng persönlich, ohne mit denen abrechnen zu wollen, die in den eigenen Reihen Verrat begangen haben. Die Wahrheit behält stets ihr Recht. Schließlich ist diese Broschüre ein Geburtstagsgeschenk für meine Ehefrau, Kinder, Enkelkinder, Familienmitglieder und Freunde. Am 23. April 1945 wurde ich von den Amerikanern in Flossenbürg befreit. Ein „Geschenk“ zu meinem Geburtstag am 25. April. Ich war damals 38 Jahre alt. Fünfundvierzig Jahre später gebe ich es als Geschenk weiter.\nC.J. Droesbeke\nFiche de renseignements Ministère de l\u0026#39;intérieur Einleitung Ich wurde am 31. März 1944 im Haus meiner Mutter in Merchtem von der Gestapo verhaftet. Wider alles Erwarten war ich dort über Nacht geblieben. Widerstandskämpfer X war zu lange zu Besuch geblieben, sodass es zu spät war, noch mit dem Fahrrad nach Brüssel zurückzufahren. Ausgangssperre. Wer hatte mich an die Deutschen verraten? Nur X wusste, dass ich die Nacht bei meiner Mutter verbringen würde. Bei der Ankunft der Gestapo konnte ich nicht entkommen. Das Haus meiner Mutter war umstellt. Obwohl ich bewaffnet war, hatte Widerstand zu leisten keinen Sinn. Die Übermacht der Deutschen und ihrer Helfershelfer war zu groß. Ich versuchte, über das Dach zu entkommen, rutschte aus und landete vom Dachfenster aus in der Dachrinne. Nachdem ich mich ergeben hatte, wurde ich in einen Wagen gestoßen, in dem ich auch meinen Dorfnachbarn X wiedererkannte. Dieser rauchte eine Zigarre, die er offensichtlich von einem deutschen Begleiter erhalten hatte. Auf die deutsche Frage, ob ich den Mann mit der Zigarre kenne, antwortete ich verneinend. Ich wurde mit einem Faustschlag ins Gesicht belohnt. Eine „spezielle“ Art der Begrüßung, doch ich schwieg. Die Deutschen fuhren mit uns über Breendonk nach Mechelen. In Höhe des berüchtigten Festungslagers sagte mir ein mitfahrender deutscher Offizier: „Das wird Ihre zukünftige Wohnung.“ In einer Kaserne in Mechelen angekommen, wurde ich separat gehalten. X blieb im Büro bei den Deutschen. Immer mehr Mitglieder unserer Widerstandsgruppe wurden in die Kaserne gebracht. Das Denunzieren schien sich zu lohnen. Nach Vernehmung und Überprüfung der Identität wurden wir in einer Gruppe von zehn – darunter ein Engländer, dessen Namen ich nie gehört habe – in das Gefängnis in der Begijnenstraat in Antwerpen gebracht. Ich wurde dort allein in eine Zelle gesperrt. Die einzige. Ich wurde mehrmals verhört und gefoltert in einem Gebäude an der Belgiëlei. Ich hörte, wie ich unter anderem von X Taten beschuldigt wurde, von denen ich vollkommen nichts wusste. Ich wurde als Einziger der Gruppe nach Breendonk überstellt. Dort wurde ich verhört und misshandelt; doch nach einigen Tagen landete ich erneut im Gefängnis in der Begijnenstraat. Von dort begann der „große Transport“ in das Konzentrationslager Flossenbürg, wo ich am 16. Dezember 1944 – Belgien war damals bereits seit drei Monaten befreit – ankam.\nEintragungskarte KZ Flossenbürg: Droesbeke Constant 39888 Namensregister KZ Flossenbürg: 39888 Droesbeke Constant Julien Das Konzentrationslager Flossenbürg (Bayern), etwa fünf Kilometer von der tschechischen Grenze entfernt, lag 1.100 m über dem Meeresspiegel. Es war ein abgeschiedenes und besonders gut getarntes Konzentrationslager. Laut Statistiken wurden von 1938 bis 1945 etwa 111.400 Personen inhaftiert: 95.400 Männer und 16.000 Frauen. Fast 74.000 von ihnen, darunter 1.693 Belgier und 4.771 Franzosen, kehrten nicht mehr zurück. Ich hatte die Nummer B 39.888. Ich habe dieses schmutzige Stück Papier als Reliquie aufbewahrt, denn das erlittene Leid kann, darf und will ich nicht vergessen.\nB 39888 Überlebende dürfen nicht schweigen. Sie haben das Erbe des Sprechens erhalten. Tausende Frauen und Männer, die in der „Hölle“ zurückgeblieben sind, haben den Überlebenden ein Vermächtnis mitgegeben: Wenn alles vorbei ist, müsst ihr der Welt erzählen, was hier geschehen ist. Die Menschheit muss wissen, wozu fanatisch Besessene fähig waren und wie monströs eine Diktatur Volk und Land zerstören konnte. Diktatur, Rassismus, Antisemitismus, Terrorismus sind besonders böse Leiter. Sie dürften nirgendwo auf der Welt eine Chance bekommen, doch … diese grausame Realität ist noch keine Vergangenheit. Auch heute werden Männer und Frauen wegen ihrer politischen Überzeugung, wegen ihrer Religion, wegen ihrer Liebe zu Land und Volk in Kerker geworfen und gefoltert. Das „Böse aus der Vergangenheit“ wiederholt sich weiterhin.\nAls Zeuge so vieler menschlicher und zivilisatorischer Dramen im Konzentrationslager Flossenbürg erzählen einfache Sätze viel mehr als gelehrte Thesen. Es geschahen entsetzliche Dinge in Satava, Zwickau, Theresienstadt, Litoměřice, Hradiště, Janovice und so vielen anderen weniger bekannten Schreckensorten der Nazi-Zeit. Albträume davon blieben Jahrzehnte die Gefährtinnen der Überlebenden. Jüngere Generationen tun gut daran, so viel wie möglich über die Konzentrationslager von damals zu erfahren und für sich passende Schlüsse zu ziehen gegen politische Regime, die darauf aus sind, die menschliche Freiheit zu fesseln oder zu zerstören. Es kommt ein Tag, an dem es keine Überlebenden mehr von deutschen Konzentrationslagern geben wird; doch Generationen müssen sich in Wahrheit weiterhin Fragen stellen können über die Verderbtheit von Staats- und totalitären Parteiregimen oder Ideologien, die auf Hass, Unfreiheit, Zerstörung geistiger Werte, biologischer Religiosität aufgebaut sind.\nWer misshandelt, foltert, Unrecht begeht im Namen eines Volkes, eines Landes, einer Kirche, einer Idee, muss immer bekämpft werden. Das war der Sinn des Leidens und des Martyriums so vieler Hunderttausender, wenn nicht Millionen, in den Konzentrationslagern des Zweiten Weltkriegs. Die Geschichte darf sich auf diesem Gebiet in den kommenden Jahrzehnten und Jahrhunderten nicht mehr wiederholen. Faschismus, Nazismus, Marxismus und so viele andere „-ismen“, die Völker und die Menschheit auf Abwege in Richtung Entfaltung, Bewusstsein und Demokratie führen, dürfen niemals wieder eine Chance bekommen. Für diese „-ismen“ gilt ein einziges Wort: Abscheu. In diesem Geist starben Massen von Menschen in den Schrecken des 20. Jahrhunderts. Eine Hölle, in der Schwächere an Willen, Charakter und Gesundheit ihre Mitgefangenen verrieten, um selbst Folterungen zu entkommen. Menschlich. Helden laufen nie in Massen.\nDeshalb ist es so wichtig, dass Zeugnisse, Dokumentation und Lektüre in Wahrhaftigkeit abgelegt, gesammelt bzw. geschrieben werden. Dann werden sie eine Vorbeugung gegen das Austrocknen dessen sein, was Überlebende aus Konzentrationslagern der Geschichte zu erzählen hatten. Volk und Nation müssen die Aufrichtigkeit der Vergangenheit hören und ertragen wollen. Propaganda, Eigennutz, patriotische Hochmut und billige Emotion ehren die Toten nicht. Ich entblöße das Haupt aus Ehrfurcht vor den so vielen, die ich gelassen in Schmerz, in Verzweiflung, als Opfer für Volk und Land sterben sah. Mutig oder nicht, sie hatten es alle gewagt, sich gegen einen Besatzer aufzulehnen, in vieler Hinsicht einen grausamen Tyrannen.\nIm Land des Feindes # 16 Dezember 1944! Tag der Ankunft in Flossenbürg. Ein Zug entlud eine Gruppe von 95 „verurteilten“ politischen Gefangenen, zivilen Ungehorsamen, Saboteuren. Ich war einer von ihnen. Wir trugen alle Handschellen … als wären wir gefährliche Verbrecher. Der Empfang in diesem gottverlassenen Loch war ausgesprochen unfreundlich. Deutsche Einwohner, Erwachsene und Kinder, beschimpften die Gefangenen von den Bürgersteigen aus. Hinter Fensterscheiben tauchten spöttische und herausfordernde Gesichter auf. Hier und da bemerkten wir jedoch mitleidige Blicke von Deutschen, die eine empfindsamere Sicht auf das vorbeiziehende menschliche Elend hatten.\nDie Entfernung zwischen dem Bahnhof (etwas außerhalb des Ortskerns) und dem Eingang des Konzentrationslagers in Flossenbürg betrug etwa anderthalb Kilometer. Beim Verlassen des Dorfes war links auf dem Hügel das Geröll eines alten befestigten Schlosses zu sehen. Trotz der noch immer beeindruckenden Steinmasse, die die umliegenden Berge zu beherrschen schien, war der Anblick eher düster. Etwas unheimlich sogar.\nIn der Ferne waren neu errichtete Baracken im bekannten bayerischen Stil zu erkennen. Riesige Bauarbeiten waren in einem Tal im Gange: das Lager, ein Arbeitslager wohlgemerkt. Ringsum auf- und absteigende Hügelreihen und Fichtenwälder, grob von Nadeln, so weit das Auge reichte. Ein See war wegen der Bewaldung größtenteils dem Blick entzogen.\nDer Berg vorne war ein in Betrieb befindlicher Steinbruch. Dunkle Gänge zwischen Riesenblöcken aus Stein wiesen auf die Eingänge zum Steinbruch hin. Dieser Teil des Lagers war mit Stacheldraht abgesperrt und von Wachtürmen umgeben. Alles deutete darauf hin, dass Lagerhäftlinge dort eingesetzt waren. Getarnte Baracken, kaum zu unterscheiden, gaben mir das Gefühl, ganz nah am „Bestimmungsort“ zu sein.\nDer Eingang des Konzentrationslagers war majestätisch. Zwei riesige Säulen trugen ein massives eisernes Tor, fest verriegelt. Wir blieben davor stehen. Ein SS-Wächter kam hastig und sichtlich wütend, mit Knüppel in der Faust, auf uns zu. „Weitermarschieren!“, brüllte er. Er zählte. Das schwere Tor schloss sich langsam und quälend knirschend hinter der Kolonne von 95. Nun sah ich die Umzäunung noch besser: elektrischer Strom darauf nahm jede Hoffnung auf Flucht in einer Gegend, in der kaum ein Zeichen menschlichen Lebens in der Nähe zu erkennen war.\nElektrische Umzäunung KZ Flossenbürg Steinerne Wachtürme mit kleinen Dächern beeindruckten. Maschinengewehre lauerten. Am Horizont dunkle Silhouetten, Überreste des bereits erwähnten Schlosses an der Grenze zur benachbarten Tschechoslowakei.\nAls ich das sah, stand ich wie gelähmt da. Im Übrigen bewegte sich niemand in der hineingetriebenen Gruppe der Gefangenen. Nur das Klappern der Zähne war zu hören. Ein Nordostwind schnitt trocken durch die Kleidung. Es fror, dass es knackte. Das Quecksilber im Thermometer an einem großen Gebäude beim Eingang war auf 17 Grad unter null gesunken. Festgetretener Schnee war zu einer Eisschicht geworden. Hände kribbelten, Füße wurden taub beim Warten auf Befehle.\nKapos, Gefangene wie wir, die im Konzentrationslager privilegierte Funktionen innehatten, setzten sich in Bewegung. Ihre Knüppel hielten Ordnung und Disziplin aufrecht. Die Folter begann. Jeder musste abgeben, was er noch bei sich hatte, und sich danach in der reinsten Frostluft entkleiden. Was noch wertvoll schien, blieb in den Händen der Kapos zurück: solide Oberbekleidung, gutes Schuhwerk, Wollpullover, goldene Ringe, Brillen … auch Fotos von Lieben, zu denen wir in schweren und verzweifelten Momenten sprachen, wurden uns genommen. Viele hatten Tränen in den Augen. Wer wir bis dahin am Herzen hatten, verschwand in bösen Händen. Mit Gegenwehr oder Widerspenstigkeit war nichts zu gewinnen.\nIm Übrigen schlugen Knüppel so gern auf nackte Körper. Sobald alle splitternackt waren, begann das „Aufwärmen“ zwischen zwei Reihen von Wächtern. Bei jedem Durchgang trafen sie gezielt. Dieses „Spielchen“ dauerte etwa eine halbe Stunde. Bei dieser schneidenden Kälte und auf blutenden Füßen wegen der Härte der Schneekruste brach mir der Angstschweiß aus. Ich spürte Wärme von Schmerz und Beklemmung. Nach der „Übung“ im Laufschritt und gebückt unter Schlägen wurden wir alle mit eiskaltem Wasser „gereinigt“. Einmal „gereinigt“, durften wir die Baracke betreten. Eine hölzerne Pritsche wurde mir und den anderen zugewiesen. Nun warteten wir auf die erste Nacht, meinten wir.\nFalsch. Ein Geschrei auf Deutsch riss mich aus den Gedanken über eine besonders unsichere und unheilvolle Zukunft. Zwei ziemlich gut gekleidete Gefangene meldeten sich in der Baracke. Sie waren mit Schere und Haarschneidemaschine bewaffnet. Sie gehörten offenbar zum „Gewerbe“ der Lagerfriseure. Sie schienen gut aufeinander eingespielt: Der mit der Schere schnitt grob den Haarschopf weg, und der mit der Maschine machte die Millimeterarbeit. Sie gingen in ihrer Arbeit auf, denn sobald der Kopf kahl geschoren war, entfernten sie auch Brust, Schamgegend, Oberschenkel und Beine von ihrer natürlichen Behaarung. Im Vergleich zu einem gerupften Hühnchen war das noch schlimmer. Ein verfluchter Anblick.\nEinmal nach „allen Regeln der Kunst“ kahl geschoren, warfen uns die Wächter die Kleidung der Gefangenen zu: ein blau-grau gestreifter Anzug aus dünnem Stoff ohne Futter, eine Mütze, ein Hemd, Holzschuhe. Ein Taschentuch war nicht dabei. Wir galten als „in Ordnung“ für die Belegung unserer ersten Wohnung: Baracke 20. Später erfuhr ich, dass das Lager 24 „Wohnblöcke“ zählte, in denen etwa 10.000 Gefangene untergebracht waren.\nDas Lagerregime war sofort spürbar: Am selben Abend kein Essen mehr. Es war zu spät (?). Erst Kohlsuppe am nächsten Mittag! Das Menü war bekannt. Die Unruhe, eigentlich eine Form des Protests, unter den Gefangenen in der Baracke war groß. Aber nicht lange, denn die Knüppel der herbeigeeilten Wächter stellten in kürzester Zeit wieder Ruhe her.\nUnter den gegebenen Umständen war es ratsam, die Schlafstelle aufzusuchen. Schlaf war nötig. Ich machte es mir in der dritten „Etage“ in den übereinander gezimmerten Kisten bequem, genau wie Sardinenbüchsen zu viert in der Soße von Ungeziefer. Schmutzig. Die Seitenbretter der Schlafpritschen waren schwarz von den Überresten früher getöteter Läuse und Flöhe. Es wimmelte von diesen Viechern. Im Nu sorgten Bisse für rote Pusteln am Körper. Den „Kistenkameraden“ blieb nichts anderes übrig, als gegenseitig Jagd auf die Parasiten zu machen.\nDie Ausgangssperre war auf acht Uhr festgelegt. Das Lager lag gefesselt in den Strahlenbündeln starker Scheinwerfer: doch in der Baracke kein Licht, kein Wort, kein Geräusch mehr. Verboten. Gleichzeitig musste man auf diebische Finger aufpassen. Denn so schäbig auch die Reste des persönlichen Besitzes waren, die Aufmerksamkeit der Diebe ließ nicht nach.\nSchlafen geschah im Hemd unter einer zerfetzten Decke. Das gestreifte Gefangenenkleidchen diente als Kopfkissen. Die Bettbretter waren so wenige, dass sie nicht einmal das zu einer Matratze gestopfte Stroh tragen konnten. Man konnte schon von Glück sprechen, wenn kein Dysenteriekranker in der Nähe lag. Noch schlimmer war es, wenn jemand mit Durchfall dein Obermann war.\nDie Sprache des Knüppels # Jeder Tag begann sehr früh, und wenn spezielle Arbeitskommandos gebildet wurden, wurde noch ein weiteres Stück der Nachtruhe geraubt. Fünf Uhr war die normale Aufstehzeit, eigentlich ein „Herausprügeln“. Die Wächter oder Helfer oder wie man sie nennen sollte, schlugen wild drauflos. Jeden Morgen prügelten sie uns aus den Schlafpritschen. Flüche und Geschrei gingen Heulen und Stöhnen voraus. Ein grauenhaftes Erwachen. Die Ordonnanzen der Kapos schwangen gern den Knüppel. Auf alles, was nicht nach ihrem Geschmack war, stand Knüppelstrafe. Die Inspektionen am „Bett“ jagten einem einen Schauer über den Rücken, denn wann war eine Schlafpritsche schon regelkonform? Und wenn sich der „Blockmann“ einmischte, war Abrechnung an der Tagesordnung. Es konnte noch schlimmer werden, wenn man wegen alledem abends nichts zu essen bekam.\nÜber diese Kapos und Helfer, allesamt Mitgefangene, gibt es empörende Dinge zu berichten. Um in Funktion und am Leben zu bleiben, machten sie das Dasein im Konzentrationslager grässlicher, als es ohnehin schon war. Sie trugen Mitschuld an Tötung und Verhungern. Sie strichen willkürlich Mahlzeiten oder teilten geringere Rationen aus, um sich selbst besser ernähren zu können. Ein abscheuliches Lagersystem mit einem schauderhaften „Blockchef“.\nWas war das für ein Mensch? Er schien um die Fünfzig zu sein und war deutscher Nationalität. Vor allem war er ein gemeiner Rechtsbrecher, der – zu lebenslanger Haft verurteilt – nach zehn Jahren Haft die Gelegenheit erhalten hatte, sich im Konzentrationslager erneut „bewähren“ zu können. Kurz und gedrungen von Gestalt, hatte er einen monströsen Blick, in dem Verachtung und Argwohn schwammen. Brutalität stand ihm ins Gesicht geschrieben, und er war Wutausbrüchen unterworfen. Dieser Mann hatte jedes menschliche Gefühl verloren. Gefängnisjahre hatten ihn von Mensch und Gesellschaft entfremdet. Ein solches Wesen war als Blockchef im Konzentrationslager Herr über Leben und Tod. Kein einziger Gefangener war bei ihm sicher. Er war unberechenbar, launisch. Ihm zu widersprechen war gleichbedeutend mit Selbstmord. Er konnte über Deutschland faseln. „Deutschland gab uns Unterkunft, Kleidung und Nahrung. Als Gegenleistung mussten wir mit Herz und Seele arbeiten, denn Deutschland brauchte viele Hände, um zu siegen. Jede Weigerung zur Arbeit würde mit dem Tod bestraft.“\nSolcher Unsinn wurde jedes Mal von Dolmetschern ins Russische, Französische, Italienische, Tschechische übersetzt. Ach, dieser Mann glaubte, Gehirnwäsche zu betreiben, wenn er über den unvermeidbaren Krieg dozierte. Nach Ansicht dieses Blockchefs war das Kriegsende nah. Die Alliierten würden zurück ins Meer getrieben und der Bolschewismus vernichtet werden. Deutschland könne nicht verlieren. Reiner Blödsinn. Schlimmer noch: Was dieser Verrückte oder gefährliche Mann (du hast die Wahl) von sich gab, mussten die Gefangenen mit einem überzeugten „Ja“ beantworten, sonst konnte man das Schlimmste erwarten.\n„Die Gefangenen brauchen nur zu arbeiten und glücklich in ihrem Schicksal zu sein“, sagte er. Regelmäßiges Baden sei ein „Muss“, aber es gab kein Wasser. Und weiter sei zu merken, dass Sabotage mit dem Strang bestraft werde, Stehlen die Todesstrafe kosten könne, dass politische Gespräche verboten seien und dass den Autoritäten des Arbeitslagers Ehrerbietung und Gehorsam geschuldet würden. Grüßen geschah in Haltung und mit Mütze in der Hand.\nNachdem die Instruktionen angehört waren, mussten wir in die Reihe für die Häftlingsnummer. Ich erhielt die Nummer B 39888. Sofort wurden im Lagerregister Namen durch Nummern ersetzt. Sobald das Stoffstück mit der Nummer auf die linke Schulter des Gefangenenanzugs angenäht war, konnte man jederzeit des Tages einem „Kommando“ zugeteilt werden, um auf Befehl bestimmte Arbeiten oder Schikanen auszuführen.\nLeben mit dem Tod # Die Uhr kündigte Mittag an. Essenszeit. Die Mägen knurrten vor Hunger. Fünf, sechs Gefangene holten die Suppenkessel aus der Küche. Die anderen standen stramm vor der Baracke, mit rostiger Schüssel und Löffel in Bereitschaft. Es war bitterkalt. Die diensthabenden Gefangenen schleppten fünf Kessel zu ihren „Kollegen“. Helfer des Blockchefs eilten herbei, um die Suppenausgabe – für jeden eine Kelle von fast einem Liter Inhalt – in „gute“ Bahnen zu lenken. Wer aus dem Automatismus des schnellen Anrückens herausfiel und nicht rechtzeitig die Schüssel unter die Kelle hielt, spürte harte Fäuste an schmerzhaften Stellen. Diese Küchenkelle war nie bis zum Rand gefüllt und tauchte nie tiefer als in das Dünnste der Suppe, denn das Unterste und bei Weitem Schmackhafteste und Nahrhafteste aus dem Kessel wurde unter den Helfern, den Vertrauten des Kapos, verteilt.\nDie Suppe war ausgelöffelt. Die Arbeit wartete. Schwere noch dazu. Auf dem Hügel mussten Fundamente für den Bau neuer Baracken gegossen werden. Auf einem Liter wässriger Suppe einen ganzen Nachmittag mit Zementsäcken herumlaufen war kein Spaß. Alle waren gequält von Hunger, Kälte und Erschöpfungsschmerzen.\nAbends, nach den Arbeitsstunden, organisierte der Blockchef in der Baracke „öffentliche Vorführungen“. Ein teuflisch inspiriertes Spektakel. Der Chef ließ zwei Stockprügler antreten, die vorzugsweise die Nierengegend der Opfer bearbeiteten. Fünfzig Stockhiebe waren ein normales Tarif. Jeder war verpflichtet, diesem „Schauspiel“ beizuwohnen und zu singen, um das Heulen und Schreien zu übertönen. Widerwärtig. Oft wurde so hart geschlagen, dass Blut auf die „Zuschauer“ spritzte. Grauenvolle Szenen. Waren das noch Menschen? Für die geringste Kleinigkeit wurde die Essensausgabe vorenthalten, und je nach Laune der Wächter griff man zum Stock. Ich habe mir dabei auch eine kaputte Niere zugezogen.\nDie Lagerwächter waren Sadisten übelster Sorte. An einem Sonntag, vermutlich wegen irgendeiner Bagatelle, bekam niemand etwas zu essen. Darauf folgte noch eine Disziplinarmaßnahme mit Zwangsübungen, die im Laufe des Tages mehrmals wiederholt werden mussten. Diese Wächter fanden in solchen Schikanen ihr Vergnügen. Manchmal ließen sie uns so lange in die Hocke gehen, bis wir rückwärts umfielen, oder sie hängten Gefangene mit hinter dem Rücken gefesselten Armen an einen Haken. Sehr schmerzhaft. Es kam auch vor, dass die Lagerwächter uns ohne jegliches Material zur Verfügung zu stellen im Laufschritt nutzlos Erde oder Sand hin- und herschleppen ließen. Die Mütze war das geeignete „Transportmittel“. Die Schergen johlten vor Lachen; Nichtsnutze, die Spaß daran hatten, Schwache, Elende, Hungernde in die Knie gehen zu sehen.\nIm Räderwerk von Sklaverei und Schikane drehte sich auch das Zahnrad des Todes. Es zermalmte Glauben, Hoffnung und Liebe. Fast täglich baumelten Tote an irgendeinem Pfahl im Lager. Aufgehängte Körper waren ein vertrautes Bild für die Gefangenen, die abends nach schwerer Arbeit ins Lager zurückkehrten. Sie waren „Beute“ für die Leichenträger. Ab und zu hörte man auch Gewehrschüsse, und dann musste man raten, ob bestrafte Erschossene oder Gefangene, die ihren Fluchtversuch mit dem Tod bezahlt hatten.\nJeder schlief und lebte mit dem Tod. Grausam in seiner Vielfalt. Kranke Gefangene wurden wie wuchernde Pflanzen ausgerottet. Sie waren zu nichts nütze, warum sie dann noch ernähren? Zynismus war täglich ein großes Aushängeschild. Eines Tages räumte ein Gefangener Schnee. Er warf die weiße Masse neben die Straße in einen tiefer gelegenen Graben. Plötzlich wurde er von einem SS-Mann von hinten getreten. Der Arme stürzte vornüber in den Graben. Er hatte sichtlich nicht mehr die Kraft, aufzustehen. Niemand eilte ihm zu Hilfe. Er zappelte, bis er … erfror. Es kam vor, dass Lagerwächter bei Frost einen Gefangenen in einen großen Wasserbottich tauchten. Danach wurde dieser Mann in durchnässter Kleidung auf dem Appellplatz ausgestellt. Nach kurzer Zeit klafften Risse in Gesicht und Händen. Wieder wurde der Mann unter Wasser gedrückt. Wieder wurde er präsentiert. Der Körper verwandelte sich in einen toten Eisblock.\nDas Konzentrationslager war ein einziges Sterbehaus. Jeden Morgen lagen Gefangene tot in den Schlafpritschen. Wer vom Dienst war, warf die Leichen durch das Fenster. Wie Hausmüll. Makaber. Manchmal ließen Mitgefangene verstorbene Barackenkameraden tagelang in der Pritsche liegen, in der Hoffnung, etwas von ihren Rationen ergattern zu können. Ich habe drei Tage neben einer Leiche geschlafen, bis die Morgenprügler, die uns aus den „Federn“ klopften, entdeckten, dass er tot war.\nDer Tod hatte in Flossenbürg seine Würde verloren. Wenn man nachts in der Baracke einen Plumps hörte, konnte man sicher sein, dass jemand einen toten Beischläfer über den Rand des „Bettes“ gekippt hatte. Morgens waren dann ein, zwei oder mehr Stücke zwischen den Pritschengängen zu zählen.\nEines Tages hatte ich „Todeskommando“. Eine gruselige Arbeit. Ich musste die Leichen wegräumen und entkleiden. Ich sah noch einen Toten oben in einer Pritsche in der dritten Reihe stecken. Mir fehlte die Kraft, ihn herauszuhieven, und ich schlug rückwärts um. Ich riss die Leiche im Fallen mit. Sie fiel in voller Länge auf mich. Zum Schaudern.\nDer Gruselfilm ging weiter in der … Waschstube. Wenn ich all diese verzerrten Münder, glasigen Augen und letzten Gesichtsausdrücke toter Menschen sah, geriet ich außer Fassung. Ich begriff, dass ich Menschenknochen stapelte. Auf jede Brust, Haut über Knochen, musste Nummer und Nationalität markiert werden. Das geschah mit roter Farbe. Ich hatte Halluzinationen. Ich fühlte mich langsam sterben.\nTragisch-kurios waren die Verhaltensweisen Sterbender. Todkranke krochen in die Ecke der Waschstube zusammen und legten sich zu bereits am Tag gesammelten Leichen, um zu verenden; andere hauchten ihren letzten Atem in den Toiletten aus, wo man meist am besten vor Misshandlungen der Wächter geschützt war; wieder andere begannen plötzlich zu weinen oder zu toben und wurden wahnsinnig. Eine Phenol-Injektion machte dem ein Ende.\nWiderstandskämpfer, Menschen, die ihrem Volk und Land gedient hatten, Unschuldige, starben im Land des Feindes wie Ungeziefer im Gestank von Ammoniak. Der Preis für die Freiheit, die sie alle geliebt und verteidigt hatten, war … der Tod. Schwächere Naturen und Willenlose überlebten den „Kampf ums Dasein“ nicht. Und es war jeder für sich. Gefangene waren hart zueinander. Wer täglich Leichen zum Krematorium schleppte, erbrach sich nicht mehr vom Leichengeruch und Dreck. Ich habe Hunderte zum Ofen geschleppt oder transportiert. Ihre Feuchtigkeit blieb an den Händen kleben, denn Gelegenheit zum Waschen gab es nicht.\nEines Tages hatte ich wieder „Leichendienst“. Ein russischer Gefangener half mir. Zwischen dem Haufen Gerippe entdeckte ich meinen Brüsseler Freund Delchambre. Ich hatte ihn im Gefängnis Sint-Gillis (Brüssel) kennengelernt. In einem Anfall von Rührung wollte ich diesem Mann die letzte Ehre erweisen, doch mein russischer Gefährte verstand das anders. Er schleuderte die Leiche zu den anderen auf die gefrorenen Steine. Ich krümmte mich vor Herzschmerz, doch das änderte nichts an der täglichen Konfrontation mit dem Tod.\nBaracke 19 war von Kindern und Jugendlichen zwischen 8 und 16 Jahren bewohnt. Wie ich später hörte, waren es Juden. Sie wurden weniger streng behandelt als die übrigen Gefangenen und von den Nazis von schwerer Arbeit entbunden. Dennoch starb der größte Teil davon an Unterernährung und mangelnder medizinischer Versorgung.\nArbeit in den Steinbrüchen schreckte jeden ab. Zwangsarbeiter-Gefangene wussten, dass sie an ihrer letzten Ruhestätte arbeiteten.\nDezember 1944 ging zu Ende. Ein anhaltender kalter Wind wehte. Eines Tages musste ich mit einem Arbeitskommando in diesen unheilvollen „Steinbruch“. Schnee peitschte die Arbeit. Etwa hundert Gefangene waren unter den schlechtesten vorstellbaren Bedingungen tätig. Umfangreiche Steinblöcke mussten mit primitiven Mitteln auf unebenem, rutschigem Boden bewegt werden. Eine erschöpfende, schmerzhafte Arbeit. Schwache Körper konnten sich kaum hinter ihrer schweren Steinlast auf den Beinen halten. Sie taumelten, zickzack wie Betrunkene. Wächter schimpften und prügelten erschöpfte Kadaver vorwärts. Spitze Kanten schnitten in brüchige Finger und Handflächen. Und abends, nach der Arbeit, kippten Kippwagen Tote und Lebende im Lager auf Haufen. Unkenntliches „Kies-Sand“, für das Kapos den Wasserschlauch – abwechselnd kalt und warm – brauchten, um die Lebenden von den Toten zu unterscheiden. Mindestens die Hälfte des abgespülten Elends war Material für den Leichenofen.\nEinen zweiten Tag in den Steinbrüchen wollte ich um jeden Preis vermeiden. Frühmorgens schlüpfte ich unbemerkt in eine Gruppe von Baumfällern. Ernüchterung griff mir schnell an die Kehle. Ich hatte einen anderen, aber ebenso grausamen Kreuzweg begonnen. Immer mit zwei kleinen Baumstämmen beladen auf schmalem, glitschigem Pfad bergauf, konnte es nicht schnell genug gehen. Fallen, Knüppelschläge, Holzblöcke verlieren und barfuß weitermachen, weil in der Reihe kein Menschenglied fehlen durfte, verursachten schreckliche Fußverletzungen. Die Armen erhielten weder Ruhe noch Pflege. Sie waren schon froh, abends noch mit ins Lager zurückzukehren. Doch in ihren Augen stand die Angst vor dem nächsten Morgen. Diejenigen, die sich am nächsten Tag krank meldeten, durften gegen den Tarif von fünfzig Stockhieben im Lager bleiben.\nLeben mit dem Tod! Bei 25 Grad unter null erfroren die Gliedmaßen. Finger, Hände und Füße wurden nicht selten mit tödlicher Folge amputiert. Und was geschah in der Krankenbaracke des Lagers? Es kursierten Gerüchte über Injektionen in die Herzgegend mit Phenol. Der französische Arzt Legais, der dort oft Dienst hatte, sprach einmal von mehr als 500 Opfern. Gefangene seien als Versuchskaninchen benutzt worden. Euthanasie bei Kranken in Anwesenheit von Dr. Richard Trommen schien eine feste Regel zu sein.\nDie monumentale Treppe zwischen Küche und Block Nr. 1, etwa hundert breite Stufen aus handgehauenen Steinblöcken, ließ mich jedes Mal an ein von Teufeln gepflastertes Altar zu Ehren des Schreckens denken. Wie viele Gefangene aus ich weiß nicht wie vielen Ländern hatten bei der Verwirklichung dieses „Kunstwerks“ nicht ihr Leben gelassen?\nDie „Prinzen“ und die „Tiere“ # Die Wohnung des Blockchefs lag beim Eingang der Baracke. Sie war gut eingerichtet. Es fehlte nichts. In unmittelbarer Nähe befanden sich die Schlafplätze der Knüppelträger. Sie hatten nichts mit den Gefangenen zu tun. Die Knüppelträger waren sorgfältig gekleidet und gut genährt. Sie lebten wie Prinzen auf einer apokalyptischen Miststätte. Stolz wie Gießer trugen sie das grüne Dreieck, die Kennzeichnung für gemeine Rechtsbrecher. Die meisten von ihnen waren Mörder. Schlagen war praktisch ihre einzige Beschäftigung oder Zeitvertreib. Daneben gab es auch noch die „Diener“ des Kapos, den Vorarbeiter des Arbeitskommandos. Sie stellten einen Mischmasch aus Nationalitäten dar: Deutsche, Russen, Slawen, Niederländer. Alle waren fanatische Schlächter. Belgier und Franzosen, stark in der Minderheit, gehörten zum Plebs des Konzentrationslagers.\nDer Meister-Kapo hatte auch noch junge „Schutzbefohlene“, die sich für eine Schüssel Suppe oder etwas anderes sexueller Befriedigung und den Gelüsten ihres „Meisters“ hingaben. Ein widerliches Schmeicheln, ein Preisgeben jeder Menschlichkeit, das im Regime jedes Konzentrationslagers eingebaut war. Ein Grund mehr, Regime weiterhin zu bekämpfen, die Menschen ihrer Freiheit berauben und entehren.\nDie „Prinzen“, die „Diener“, die „Schutzbefohlenen“ lebten nicht zwischen Kot und Urin. So viele Tausende Elende schon. Wer ein natürliches Bedürfnis verrichten und zu den Toiletten wollte, kam nicht an einem Wächter vorbei. Wenn dieser schlecht gelaunt war oder wenn er meinte, in der Baracke sei zu viel Lärm gemacht worden, musstest du kehrtmachen, was dazu führte, dass man sein Geschäft in der Baracke verrichtete. Exkremente lagen überall. Ein pestilenzartiger Gestank. Die Baracken glichen oft Schweineställen. Hygienepapier war unbekannt.\nIn den angelegten Latrinen war ich Zeuge der widerwärtigsten Szenen. In der Regel musste man sich in eine Schlange stellen, um die Toilette zu benutzen. Knüppelträger hatten Vorrang. Wehe dem, der gerade sein Bedürfnis verrichtete, wenn ein Knüppelträger dringend „musste“. Schläge und Tritte jagten den Mann vorzeitig weg. Er musste es anderswo versuchen.\nNoch beschämender und tierischer war das Toilettengehen tagsüber. Das musste öffentlich über einer breiten und ausgehobenen Grube geschehen. Am Rand der Grube lag ein Baumstamm, auf dem man sitzend sein Geschäft verrichten konnte. Das war alles andere als appetitlich. Der glatte Baumstamm war stets beschmiert, denn man durfte nicht zu weit auf dem Stamm sitzen, um nicht das Risiko einzugehen, rückwärts in den Kot zu plumpsen. Das passierte mehr als einmal. Abscheulich war das. Nicht selten wurde eine Leiche aus dieser öffentlichen Jauchegrube gezogen.\nWar das noch Leben? Menschlich nein, tierisch ja. Woher nahmen diese Tausende und Abertausende Gefangenen noch die Willenskraft, Tag für Tag aufrecht zu bleiben? Sobald die Tagesarbeit erledigt war, wenig Essen und bei vielen Schlägen um 18 Uhr zu Ende, suchten im Lager erschöpfte und abgemagerte Körper ihren Platz für die Namensaufrufung. Das geschah unter deutschem Geheul und Gefluche. Dieses Appell in Haltung und mit der Mütze in der Hand konnte bei Abwesenheit von Kranken und Sterbenden, denen die Kraft fehlte, sich zu bewegen, stundenlang dauern. Die Zahl musste stimmen. Es durfte nicht früher eingerückt werden, bevor die kärgliche Abendration verteilt wurde, eine Ration, die den Hunger nicht erträglicher machte.\nNachdem alles in Ordnung war und das wenige Essen verzehrt, krochen erschöpfte und abgemagerte Körper wie Ameisen durcheinander zu den Schlafpritschen. Bevor der Schlaf kam, rollte mir jedes Mal der Film des Tages vor den Augen ab. Von langer Dauer war er nicht. Die Sequenzen waren immer dieselben: harte Arbeit, Knüppelschläge, permanente Prozessionen von Leichenträgern. Letztere trugen in ihrer Kleidung den Geruch verbrannter Leichen. Man tat gut daran, nicht zu lange darüber nachzudenken, denn die Nächte waren kurz, und am nächsten Tag warteten immer dieselben schweren Hacken und Schaufeln für Aufgaben über die eigenen Kräfte hinaus, doch die Kapos dachten anders.\nIm Konzentrationslager Flossenbürg wurde auf allen Ebenen die Linie zwischen den „Tieren“ und ihren „Prinzen“ durchgezogen. Hinter den verlausten Baracken stand auch ein Hüttchen. Gardinen schmückten die Fenster. Ein „Villenchen“ des Vergnügens, in dem einige schöne und gut gekleidete Damen, französische Mädchen, „Prominente“ des Lagers, sich vergnügten. Sich der Prostitution hinzugeben war ihr Lösegeld für die Freiheit. Nach sechs Monaten Bordellleben durften sie gehen …\nWer abends Gesellschaft bei den Frauen halten wollte, musste ein Eintrittsbillett mit Nummer (?) haben. Eine spezielle Glocke kündigte jeweils die Reihe der … Nächsten an.\nEines Tages wurde ich mit zwei Polen bestimmt, dem „Häuschen der Lüste“ einen Anstrich zu geben. Hatte ich Glück: ein wenig Freundlichkeit statt Knüppelschläge und ein warmes Interieur. Ich spürte den Winter nicht. Ein SS-Wächter, ein älterer Luxemburger, der den Ersten Weltkrieg mitgemacht hatte und in Brüssel einquartiert gewesen war, kam mir entgegen. Er war stolz, zwischen all den Deutschen Französisch sprechen zu können. Und Brüsseler lagen bei ihm ganz oben. „Brave Leute“, sagte er. Am nächsten Tag brachte mir der Luxemburger ein Paar Strümpfe mit. Danach war das Lied aus. Sobald die Malerarbeiten beendet waren, begann wieder das Höllenleben. Ich hatte mich ein paar Tage bei den „Prinzen“ gewähnt.\nSobald man aus der Wärme des Häuschens herauskam, fühlte sich die bittere Kälte doppelt an. Im „Tierreich“ konnte ich nur noch davon träumen.\nEs ging auf Weihnachten zu. Die Nachtluft war klar von Sternen. Es war fast Vollmond. In meiner Schlafpritsche dachte ich an die Weihnachtsfeste von früher, die Kränze, die Gemütlichkeit, das gute Essen. Würde ich das je wieder schmecken? Würde ich je wieder in mein Land zurückkehren, mein Vaterland, aus dem mich ein Besatzer, ein Feind meines Volkes, verschleppt hatte, weil ich es geliebt hatte? In dieser Verzweiflung ertappte ich mich bei Plänen für die Zukunft. Ein mir angeborener Optimismus säte Funken der Hoffnung auf … Befreiung aus der Hölle von Flossenbürg. Es würde einmal ein Tag kommen …\nVorabend von Weihnachten 1944. Es winterte streng. Plötzlich geschah etwas völlig Unerwartetes. Es mochte 18 Uhr gewesen sein, als das Lager durch Glockengeläut aus der erzwungenen Ruhe gerissen wurde. Niemand wusste, was das zu bedeuten hatte. Jeder stellte sich Fragen. Plötzlich ertönten Befehle zur Räumung der Baracken. Das Lager war in Aufruhr. Appell in befohlener Stille. Der Lagerplatz badete in grellem Licht. Unruhe trieb in den Wesen von Tausenden Gefangenen. Welches Spektakel würde beginnen? Es wurde jedem schnell klar: Sechs Gefangene sollten am Querbalken des Tores auf dem Fußballfeld aufgehängt werden. Bewaffnete SS-Männer rückten an und nahmen ihre Plätze um das „Strafplatz“ ein. Ein Offizier drohte und brüllte unverständliche Worte. „Le moment suprême“ war angebrochen. Die Verurteilten traten aus einer Ecke des Lagers in das Licht eines riesigen, beleuchteten Weihnachtsbaums vor. Zynischer konnte es nicht sein. Die armen Kerle, die Hände auf dem Rücken gefesselt, erinnerten mich an römische Spiele zur Zeit Neros. Damals waren Sklaven und Christen Futter für die Löwen; in Flossenbürg dienten ausgemergelte Wehrlose dem grausamen Vergnügen Unbarmherziger.\nDie Verurteilten schoben sich in einer Reihe unter den Querbalken des Tores, an dem die Schlingen baumelten. Mitgefangene, Helfer der Kapos für eine Schüssel Suppe, stellten unter dem Querbalken Stühle auf, auf die sie Bretter legten. Ein improvisiertes Schafott. Das Spektakel war in seinem letzten Stadium. Die sechs für den Strang schritten entschlossen dem Tod entgegen. Es lag etwas Heroisches in ihrem Blick, und sie beschimpften die Schlächter aufs Übelste. Auf ein Zeichen stiegen sie auf die Erhöhung. Ein Offizier trat vor und sprach theatralisch das Urteil aus: Todesstrafe durch den Strang. „Keine Gnade!“. Es kam mir vor, als hielte die Stimme Zorn zurück. Was hatten die sechs verbrochen? Niemand wusste es, aber der barsche Offizier machte jedem klar, dass Ordnung und Disziplin im Lager respektiert werden müssten. Die Helfer legten die Schlingen um den Hals der sechs. Einer von ihnen schrie noch ein paar Sätze. Ich verstand sie nicht. Im Übrigen kannte ich ihre Nationalität nicht. Plötzlich wurde es mausestill. Die Schlächter standen bereit. Abscheu vor einem Regime, das mit Leben spielte, überfiel die so vielen Tausende, die gegen ihren Willen den Hinrichtungen beiwohnen mussten.\nWie von einer bösen Wespe gestochen traten die Schlächter brutal Stühle und Bretter weg. Ein Ruck zog sechs Körper in Krämpfe. Kurzzeitig. Die Füße bewegten sich am längsten. Als die Zunge aus dem Mund hing, waren die Nazi-Schlächter zufrieden. Die „Kerzchen“ waren ihnen ein Fest gewesen.\nBruno Furch: Kerstavond 1944 Die Gefangenen kehrten mit gesenktem Haupt in ihre verlausten Baracken zurück. Niedergeschlagenheit und Trauer schwebten über dem Lager. Aber der Zynismus der „Herrschenden“ kannte keine Grenzen, denn beim Betreten der Baracken erklang Musik. Musiker des Lagers spielten „An der schönen blauen Donau“. Nach allem, was wir erlebt hatten, hatten wir kein Ohr dafür. Schlimmer: Die sanfte Melodie des Walzers war eine weitere Folter. Zyniker können „erfinderisch“ sein.\nEs war Silvesternacht. Das Jahr 1944 starb in der bitteren Kälte von 1945. Das Lagerorchester spielte Melodien. Um elf Uhr war Zapfenstreich. Ich lag in meiner Pritsche und dachte an Mutter. Ich wurde sentimental. Ich hätte sie gern umarmt. Ich spürte in mir einen warmen Schwall von Rührung und Dankbarkeit strömen. Ich dachte über das nach, was sie mir so oft über ihr junges Leben erzählt hatte. Eine glückliche Jugend hatten meine beiden Eltern nicht gekannt. Beide waren Waisenkinder gewesen. Mein Vater war jung gestorben. Kaum 45 war er. Drei Operationen waren ihm zu viel gewesen. Meine Mutter liebte ihn über alles. Beide sind ihren Kreuzweg gegangen, ich war noch mitten in meinem. In diesem Moment wusste ich nicht, dass die vier grausamsten Monate in Flossenbürg noch überlebt werden mussten.\nAn diesem Silvesterabend 1944 füllte ich mich mit Sentiment für geliebte Wesen, für mein Volk, für mein Land. Es war unglaublich wunderbar, wie ich in Flossenbürg, lebend mitten im Elend, in der Tierhaftigkeit und in der Nähe des Todes, nach der Schönheit des Lebens hungern konnte. Ich blieb hoffen. Ich wollte leben. Ich war optimistischer als die Mehrheit meiner Lagergenossen. Hatte das eine Erklärung in der Aufgeklärtheit meines Charakters? War ich körperlich stärker? Das konnte sein, denn sportliche Jugendjahre hatten mich zu einem physisch bereiten Mann gemacht. Ich konnte lange Zeit schwere körperliche Arbeit auf wenig Nahrung verrichten, und im Lagerleben nutzte ich meinen Verstand. Man musste nicht suchen, was man vermeiden konnte.\nMeine Schlafgefährten: Pfarrer Maurice Fiévez aus Pont-à-Celles und Karel Goyvaerts aus Boechout holten mich aus dem Silvestergrübeln. Letzterer wusste nicht, dass sein Bruder Hendrik mittags im Lager gestorben war. Mir fehlte der Mut, es ihm zu sagen, wohl riet ich ihm ab, seinem Bruder ein „glückliches“ Neujahr zu wünschen, weil es zu gefährlich war.\nAm nächsten Tag erzählte Karel mir, sein Bruder Hendrik sei mit einem Arbeitskommando auf Transport gesetzt worden. Ich wusste es besser, schwieg aber. Karel hat nie vom Tod seines Bruders erfahren. Nach der Befreiung von Flossenbürg kehrte er so geschwächt nach Hause zurück, dass er nur noch wenige Wochen lebte. Karel lebte damals noch in dem Wahn, sein Bruder hänge irgendwo in Deutschland herum.\nTodesanzeige Karel Goyvaerts Blumen und Vergebung # Tote wurden durch Lebende ersetzt oder durch das, was dafür durchgehen konnte. Laut offiziellen Zahlen wurden zwischen dem 16. Dezember 1944 und März 1945 fast 46.000 Gefangene (genau 46.491) ins Lager gebracht. Ein großer Teil dieser Gefangenen kam aus anderen Lagern. Ihre Gesundheit ließ in der Regel zu wünschen übrig. So wurden aus Groß-Rosen in Schlesien etwa 10.000 Gefangene „auf Marsch gesetzt“ nach Flossenbürg. Ihre Gesundheit war so erbärmlich, dass sie unterwegs Hunderte Tote zurückließen. Diejenigen, die das Lager erreichten, trugen auch noch 400 Leichen mit sich. Die Kapazität des Lagerkrematoriums war zu klein. Leichen wurden im Wald verbrannt.\nGruppen neuer Gefangener wurden von einem Helfer jeweils mit roter Farbe von 1 bis 4 markiert. Eine Sortierung nach Tauglichkeit. Die Nummern eins waren gut für schwere Arbeit, die Nummern zwei kamen für ziemlich schwere Arbeit in Frage, die Nummern drei waren die Schwächlinge für leichte Arbeit und die Nummern vier, echte Elende, wurden von den Kapos des Lagers bessere Arbeitsbedingungen versprochen. Sie wurden „en vrac“ auf Wagen geladen. Zu welchem Ziel? Ging es ihnen entgegen der Ausrottung? Die SS selbst übernahm diese Konvois. „Gesunde“ Schlawiner, die sich unbemerkt unter die Elenden gemischt hatten in der Hoffnung auf ein besseres … Arbeitsregime, wie versprochen, kamen nicht mehr zurück. Sie blieben spurlos verschwunden.\nWas Spuren hinterließ, war die Dysenterie-Epidemie beim Nahen des Frühlings. Eine furchtbare Qual, umso mehr, als im Lager weder medizinisches Personal noch Medikamente vorhanden waren. Dysenterie begann mit Erbrechen, Fieber und heftigen Bauchschmerzen mit Stuhlgang und Blutungen bis zu 20 Mal pro Nacht. Schwächere starben nach wenigen Tagen.\nEs war höchste Zeit, dass das Ende der Kriegshandlungen in Sicht war, denn bei Mangel an Nahrung war jeder der Erschöpfung nahe, und doch blieben Leben und Tod unvorhersehbar. Eines Tages wurde mein Freund Jozeph Dedobbeleer für ein Arbeitskommando eingeteilt. Er war krank wie ein Hund. Bevor er mit seinen Arbeitskameraden aufbrach, küsste er mich. „Ich werde dich nicht mehr wiedersehen“, sagte er. Er kehrte zwar ins Lager zurück, war aber so geschwächt, dass er am 2. April, drei Wochen vor der Befreiung von Flossenbürg, starb. Er hatte mir noch aus seiner Leidenspritsche sagen können: „Falls du das Glück hast, ins Vaterland zurückzukehren, willst du dann meine Frau und Kinder grüßen und ihnen sagen, dass ich viel von zu Hause geträumt habe und dass meine letzten Gedanken bei ihnen waren.“\nGedenkkarte Joseph Dedobbeleer Pfarrer Maurice Fiévez, ein anderer Lagerfreund, hatte an beiden Beinen abscheuliche Wunden, die mit eitrigem Ödem begonnen hatten. Viele Gefangene litten darunter. Maurice wagte nicht, in die Krankenbaracke zu gehen, doch der „Blockchef“, der sicherlich über den Vormarsch der amerikanischen Armeen informiert war, schien plötzlich menschlicher und nachgiebiger geworden zu sein. Der Pfarrer durfte in seiner Pritsche bleiben. Die Beinwunden eiterten weiter. In der Baracke war es schmutzig und das Ungeziefer war nicht von den Wunden fernzuhalten. Da Verbände fehlten, riss ich mein Hemd, das auch nicht mehr ganz sauber war, in Streifen und tauchte diese dann in der Küche der SS-Männer in warmes Wasser. Die so improvisierten Kompressen linderten zwar den Schmerz, hatten aber keine Heilkraft. Im Gegenteil, das Fleisch am Bein begann zu faulen. Ein pestartiger Gestank. Pfarrer Fiévez, der am 1. Dezember 1942 während der Messfeier am Altar seiner Kirche verhaftet worden war, überlebte die Befreiung des Lagers kaum drei Tage. Am Ende seiner Kräfte starb er am 26. April 1945. Ich bat den Bürgermeister von Flossenbürg – dem nach dem Abzug der SS die Verantwortung für das Lager übertragen worden war – ihn auf normale Weise begraben zu dürfen. Dies wurde mir verweigert.\nGedenkkarte Maurice Fiévez Angeblich wurde der tote Körper später der Familie von Maurice in Frasnes-lez-Buissenal übergeben. Ich weiß mit Sicherheit, dass dies nicht Maurice war, aber seit vierzig Jahren lege ich am 1. November ein Blümchen auf dieses Grab, denn derjenige, der dort ruht, war auch einer der Unsrigen in Flossenbürg.\nIch lernte Maurice Fiévez im Gefängnis Sint-Gillis kennen. Es war August 1944. Zuvor war er in Charleroi inhaftiert gewesen. Unsere Wege zu den Haftorten, Zuchthäusern, Gefängnissen verliefen gemeinsam. Wir trafen uns in Köln, Nürnberg, Ebrach, Bayreuth, Bamberg … in derselben Zelle. Auch in Flossenbürg fielen wir uns in die Arme.\n8 März 1945. Spät in der Nacht war ein Überfall sondergleichen. Ein Konvoi Gefangener war angekommen. Die Baracken waren zu klein, um sie aufzunehmen. Jeder Fleck war gut, um zu sitzen oder zu liegen: zwischen den Pritschen, in den Gängen, in der Waschstube, im Abort. Gesunde, Typhus- und TBC-Kranke und andere Kranke lagen kreuz und quer durcheinander. Plötzlich hörte ich auf Höhe meiner Pritsche eine Stimme über den anderen heraus: „Petit Belge, hättest du nicht ein kleines Plätzchen für mich?“. Es war Maurice Fiévez. Er trug die Nummer 86.379. Er blieb mein Schlafgefährte bis zu seinem Tod.\nEinen Sonntag in den letzten Kriegsmonaten vergesse ich nie. Wir waren frei und hatten Zeit, eine Kolonne politischer Gefangener zu sehen, die von SS-Männern mit Hunden begleitet ins Lager taumelte. Sie sahen alle jämmerlich aus. Beladen mit blutigen Decken und schmutzig von Exkrementen schleppten sie sich voran. Entsetzt erkannte ich in dieser Gruppe den Widerstandskämpfer X, der mich und andere in der brabantischen Heimat verraten hatte. Ich schaute ihm direkt in die Augen. Er sah schlecht aus und war von Kopf bis Fuß mit Schlamm bedeckt. Seit der Inhaftierung in Antwerpen im Dezember 1944 hatte ich ihn nicht mehr gesehen. Er stolperte. Hunde sprangen auf ihn zu. Ein begleitender Wächter trat ihm ins volle Gesicht. Blut quoll aus seinem Mund. Der Abscheu war groß. Mir wurde übel davon.\nDie Unglücklichen gingen in die Waschstube. Dort ließen sie ihre stinkenden Sachen zurück. X suchte mich und andere frühere Widerstandskameraden auf. Er wollte offenbar etwas beichten und bat uns, ihm seinen Fehler aus menschlicher Schwäche zu vergeben, durch den er viele aus unserer Antwerpener-Brabantischen Widerstandsgruppe ins Konzentrationslager gebracht hatte. Das fiel uns nicht leicht, denn den Schmerz und das Leid von Flossenbürg hätte er uns ersparen können. Vier unserer Widerstandsgefährten waren bereits gestorben und die Übrigen waren noch nicht am Ende ihres Leidenswegs.\nX sagte: „Seht mich hier nun stehen. Habt ihr kein Mitleid mit mir? Habe ich noch nicht genug gelitten?“ Wir hielten Kriegsrat und schoben nach Abwägen frühere Vergeltungsgefühle beiseite. Alle gewährten ihm Vergebung für seine wenig mutige Tat. X schaute uns dankbar an. Am nächsten Tag zog er mit seiner Kolonne weiter. Was ihm widerfuhr, habe ich nie erfahren. Er verließ Flossenbürg mit Ziel Bergen-Belsen. Landete er als Gefangener in russischen Händen?\nBei meiner Rückkehr ins Vaterland habe ich mich daher nicht gegen die Zeichen der Anerkennung ihm gegenüber gewehrt. Dennoch habe ich aus Gerechtigkeitsgründen für mich selbst, für meine Familie, für meine Dorfnachbarn und die Geschichte immer Vorbehalte gehabt. Im Leben muss man zwar vergeben können, doch man darf nicht alles vergessen. Für mich selbst hatte ich den heiligen Eid geschworen, kein Wort, keinen Namen preiszugeben. Ich hatte dafür viele barbarische Schläge in Kauf genommen. Eine persönliche Grundregel, obwohl ich auch Angst vor den Prüglern hatte. Echte Teufel. Gewissen hatten sie nicht und Bestien waren sie sicher. Anders fand ich keine Erklärung für ihre Grausamkeiten an Wehrlosen.\nOpfer des KZ Flossenbürg Opfer des KZ Flossenbürg Opfer der Dysenterie im KZ Flossenbürg Opfer der Dysenterie im KZ Flossenbürg Die Verderbtheit im Menschen war in Flossenbürg kaum oder gar nicht zu definieren. Einige Tage vor der Ankunft der amerikanischen Armeen war ich noch Zeuge zweier widerwärtiger Szenen.\nAn einem Apriltag sah ich einen Jungen von 14 Jahren mit einem Eimer in der Hand den Weg eines Offiziers kreuzen. Rasend vor Wut rief er den Jungen zurück. „Seit wann grüßt man keinen Oberst mehr“, brüllte er. Hochmütig riss der Offizier die Mütze vom Kopf des Jungen und warf sie auf den Boden. Der Kleine bückte sich, um sie aufzuheben. Er bekam keine Zeit dafür, denn drei Revolverschüsse bellten den Jungen kalt. Furchtbar.\nEmmanuel Megens aus der Leeuwerikenstraat in Anderlecht war so erschöpft, dass er sich kaum auf den Beinen halten konnte. Während der Suppenausgabe stolperte er und hielt seine Schüssel eine Winzigkeit zu spät unter die Kelle. Der diensthabende Kapo wurde rasend vor Wut, nahm einen Holzklotz, der ihm unter die Hand fiel, und schlug den Mann einfach tot. Waren das gedrogte Bestien? Abnorme? Wahnsinnige?\nGedenkkarte Emmanuel Megens Amerikaner … und nach Hause # Erste Hälfte April 1945. Der Dienstplan im Lager war gründlich geändert worden. Wir wurden um 3:30 Uhr geweckt, mussten drei Kilometer zu Fuß außerhalb des Lagers schwere Arbeit verrichten. Gegen 20 Uhr kehrten wir zurück. Nach dem Abendappell, um Tote und Lebende zu zählen, krochen wir mit 200 g Brot für fünf Stunden Nachtruhe in die Pritsche. Wenige Tage später betrug die tägliche Ration kaum eine Handvoll Hafer. Das Dritte Reich wankte. Jeder spürte es.\nJe weiter April voranschritt, desto schwärzer wurde der Himmel täglich von Hunderten und Aberhunderten Flugzeugen in breiten Formationen hintereinander. Wir vermuteten Amerikaner. Sie flogen hin und her. Wohin? In einem naiven Aufwallen dachten wir zuerst, sie suchten uns. Die Piloten müssen in diesen Tagen sicher den rauchenden Schornstein des Krematoriums bemerkt haben. Er spuckte unaufhörlich Wolken brennender Leichen aus. Leider suchten die Flugzeuge uns nicht. Sie führten Krieg. Unsere Wächter wurden nervöser und … einige fügsamer. Die Schlächter, die Unmenschen von gestern, schlüpften plötzlich in ein Schafspelz: kein Gebrüll mehr, kein Geschimpfe; keine Tritte, keine Schläge; keine Befehle mehr. Das Lager hatte seinen „Kopf“ verloren. Unordnung trat an seine Stelle.\nAngesichts der nahenden Befreiung wurde ich vom Fleckfieber niedergeworfen. Durst quälte mich. Schüttelfrost, Erbrechen, Hustenanfälle folgten aufeinander. Schweiß brach mir überall aus. Ich sah meine Füße anschwellen. Angst überfiel mich. Würde ich es noch ein paar Tage durchhalten? Ich schleppte mich – wie, weiß ich nicht mehr – bis in die Krankenbaracke. Gerade wurde ein Toter hinausgetragen. Ich nahm seinen Platz ein. Ich lag bei den Sterbenden. Ein Glück kam mit einem Unglück, denn wenige Tage vor der Ankunft der Amerikaner verließen die SS-Männer in größter Eile mit 16.000 Gefangenen, die noch auf den Beinen waren, das Lager. Das Ziel war Dachau. Kadaver traten ihren „Todesmarsch“ an, ein tagelanges Taumeln und ein Kampf gegen den Tod.\nZwischen dem Abzug der SS und dem Warten auf die Amerikaner war die Freiheit schon zu spüren. Ansteckend Kranke irrten auf der Suche nach etwas Essbarem umher. Sie stießen in der verlassenen SS-Baracke auf ein Fass Sauerkraut und geschälte Gerste. Es war Kirmes.\nInzwischen forderte die Typhus-Epidemie einen hohen Tribut. Täglich wurden 50 bis 80 Sterbende gezählt. Ich überlebte. Nach etwa zehn Tagen zwischen Leben und Tod schwebend, spürte ich Besserung. Ein Wunder oder viel Glück, oder wie man es nennen will, aber ich war wieder auf den Beinen. Stark geschwächt war ich dennoch in der Lage, am 23. April 1945 den amerikanischen Befreiern zuzujubeln. Die Uhr der Erlösung aus der Hölle von Flossenbürg zeigte halb elf. Ich sah, dass Pfarrer Fiévez sich durch den Schlamm bis zum Eingang schleppte. Gehen konnte er nicht mehr. Seine schmerzlich kranken Beine waren zu Blutklumpen geworden. Grauenhaft anzusehen; aber er wollte dabei sein und den Befreiern und Gott danken, dass er das noch erleben durfte. Große Rührung überfiel mich. Körperliche und seelische Spannungen, die sich monatelang in mir aufgestaut hatten, entluden sich in tränenlosem Weinen. Das Herz schluchzte vor aufgestauten Emotionen. Das Leben war monatelang so grausam gewesen.\nGlückseligkeit und Trauer bemächtigten sich gleichzeitig meiner: eine intensive Freude über das günstige Lebenslos – oder war es das Werk der Vorsehung? –, das mich vom Tod verschont hatte; innige Traurigkeit um die so vielen Kameraden und Mitgefangenen, die Flossenbürg nicht überlebt hatten. In Pietät gedachte ich ihres Kreuzwegs, auf dem mehr als 14 Stationen errichtet gewesen waren. Sie waren jeweils mehr als dreimal unter der Last und dem Schmerz ihres täglichen Kreuzes gefallen. Ihr Golgatha lag in Flossenbürg und „gute“ Mörder wohnten dort nicht. Schreckliche Bilder rollten mir vor die Augen. „Kinder nicht zugelassen“. Ich schauderte bei Sequenzen über Elende, die wahnsinnig geworden waren oder totgeschlagen wurden. Wesenlose Wesen, zerrissene Menschen. Wie viele im Lager hatten nicht den Tod herbeigerufen, um vom Leiden erlöst zu werden? Sie hatten geweint, geflucht, gebetet. Flossenbürg war ein einziger Gräuel.\nIch habe Narben an Körper, Herz und Seele davongetragen. Sie sind alle bezeichnend rot wie die rote Farbe, mit der ich damals in Flossenbürg Tote markiert habe. Rot hatte ich auch für die Aufschriften verwendet, um die Amerikaner in meiner Sprache willkommen zu heißen.\nBlutrot war die Farbe von Flossenbürg. Die SS-Männer, die den „Todesmarsch“ begleiteten, übermalten vor ihrer makabren Reise ebenfalls mit Rot die Mauer, an der täglich um die 90 Gefangene hingerichtet wurden. Rot bedeckte den Menschentod.\nDer erste amerikanische Soldat, dem ich begegnete, war Bill Falvey James. Er war begleitet von einem Arzt und einem Dolmetscher. Wenn mein Gedächtnis mich nicht im Stich lässt, hießen sie W. Campbell bzw. William McConahey. Sie haben mich und so viele zurückgebliebene Kranke gerettet. Ich warnte den Arzt, dass viele Fleckfieber hatten. Amerikanische Soldaten hielten aus der Ferne ein Auge darauf. Es kam mir vor, als hätten viele „Soldiers“ des 357. Regiments der 90. US-Division Tränen in den Augen gehabt. Aus der Ferne warfen sie uns Essen, Süßigkeiten, Schokolade, Zigaretten zu. Klappernde Skelette kämpften darum. Eine betrübende Erinnerung.\nAm nächsten Tag, dem 24. April, nahmen Ärzte und Pfleger Besitz vom Lager. Wer Typhus hatte, bekam eine Injektion, die anderen erhielten die Segnungen, die medizinisch für nötig erachtet wurden. Es waren 1.526 Kranke in Quarantäne zurückgeblieben, von denen 180 mit Fleckfieber und 98 von TBC betroffen waren. Ich pries mich glücklich, dabei zu sein.\nEs war ein Gewöhnen an das Leben, das unter den Amerikanern im riesigen Lager mit etwas mehr als 1.500 befreiten „Kranken“ allmählich in Gang kam. Ein völlig anderes Regime in zu viel leerem Raum mit einem Überfluss an verräterischem Essen für erschöpfte und ausgehungerten Menschen. Viele verloren nach den durchstandenen Entbehrungen die Kontrolle über sich selbst. Fast dreihundert (296) ehemalige Gefangene fraßen sich in wenigen Tagen tot.\nIch hatte den Charakter, maßvoll zu essen. Zwischen den Mahlzeiten inspizierte ich mehrmals das Lager. Ich hatte Zeit und wollte für mich selbst die reinsten Abdrücke von dem machen, was ich ein halbes Jahr als Tierleben hatte ertragen müssen. Nun konnte ich unter anständigen Bedingungen und mit Würde ein Bad nehmen. In den vergangenen Monaten war mir das zweimal gelungen in einem „Dekor“ aus Chlor, Schlägen und Unannehmlichkeiten, bei abwechselnd eiskaltem und heißem Wasser. Jetzt waren keine Kapos dabei.\nSelige Ruhe trat an die Stelle der verschwundenen Härte. Ungeziefer zerquetschen und Lumpen von Kleidung desinfizieren konnte geschehen ohne Gebrüll und Knüppelschläge.\nEine große Enttäuschung # Es war Mai. Ein blauer Mai noch dazu. Ich verweilte bei der Innigkeit der Musik des Merchtemer Komponisten August De Boeck über den „lieben Mai“ und dachte an zu Hause, an Mutter, an die Familie, an die Freunde.\nDer Sommer kündigte sich schön an. Jeder lebte auf Hoffnung. Die Repatriierung ins Vaterland war nur noch eine Frage kurzer Zeit. Eines Tages meldeten sich im Lager Engländer vom Nachrichtendienst. Sie waren auf der Suche nach ihren „Agenten“ aus der Kriegszeit. In Flossenbürg trafen sie zwei an: Van Horen und … mich selbst. Gepäck und Sack waren schnell gepackt.\nAm 22. Mai 1945 stiegen wir in einen englischen Jeep. Wir brachten einen letzten Gruß an die Zehntausende Opfer dieses schrecklichen Konzentrationslagers. Vor mir lag der Weg in mein Dorf, Merchtem, weit offen. Unterwegs wurde Halt gemacht beim amerikanischen Hauptquartier in Weiden. Die Betten für die Übernachtung standen bereit. Ich erlebte dort einen unvergesslichen Abend. Die Amerikaner empfingen mich wie einen Prinzenjungen. Der einfache Mann vom Land, der ich war, fühlte sich dadurch gewaltig geschmeichelt.\nFünf Tage Jeep und ich war in Brüssel. Der Bürgermeister von Merchtem war über meine Ankunft informiert und holte mich eigens am Nordbahnhof ab. „Ich fahre dich zu deiner Mutter“, sagte er mir.\nWährend der kurzen Autofahrt von Brüssel nach Merchtem überfiel mich die erste Nachkriegs-Enttäuschung. Als ich vom Bürgermeister erfuhr, welche schändlichen Szenen sich bei der Befreiung im Land und in der Gemeinde abgespielt hatten und wie eine grausame Repression mit der Gerechtigkeit Schindluder trieb, entfuhr mir bitter: „Dafür sind keine 74.000 Menschen in Flossenbürg gestorben.“ Die großen Kollaborateure liefen frei herum, die Kleinen, die Lampenanzünder, die Garnelen füllten die Gefängnisse und Internierungslager bis zum Bersten.\n„Hatte der Widerstand gegen einen Feind dem Land gedient, wenn man hörte, wie Straße und Justiz Patriotismus übersetzten? Ich bezweifelte es.“\nAm Abend meiner Rückkehr saß ich gemütlich bei Mutter. Sie erzählte, wie nur sie das konnte. Ich sagte nicht viel. Die Gesundheit war nicht die beste. Ansammlung von Flüssigkeit in den Geweben (Hungerödem) und in der Lunge … die Behandlung gegen TBC würde sieben Jahre dauern.\nIn den folgenden Tagen spürte ich in Merchtem die Wertschätzung für den Überlebenden von Flossenbürg wachsen. Die Gemeinschaft brachte mir und eine unvergessliche Huldigung und sie war mit Recht stolz auf ihren KZ-Gefangenen. Ich bin ihr dafür immer dankbar geblieben.\nDer „Todesmarsch“ # Wie bereits zuvor zu verstehen gegeben, hat das Fleckfieber mehr als wahrscheinlich mein Leben gerettet. Die Kapos, die Lagerleitung, die SS-Männer ließen mich – wie so viele andere Kranke – in den Tagen vor der Ankunft der Amerikaner in Ruhe und konzentrierten ihre „Beschäftigungen“ auf die Evakuierung des Lagers, die in dem berüchtigten „Todesmarsch“ gipfelte.\nMein Freund Emile Launois, ehemaliger Gefangener von Flossenbürg, hat mir davon berichtet. Dies wurde ergänzt durch die Herren Volmer und Antoni.\nDer 19. April 1945 kündigte sich nicht besonders an. Jeder spürte die Amerikaner in unmittelbarer Nähe, doch niemand hatte eine Vorahnung von dem Drama, das den „Gesunden“ des Lagers, denen, die noch auf den Beinen stehen konnten, bevorstand.\nDas letzte Kapitel einer mit Worten nicht zu beschreibenden Gefangenschaft begann mit den Juden. Die Elenden wurden zusammengetrieben und aus dem Lager geführt. Wohin? Warum nur Juden? Laut Zeugen wurden sie alle wie Tiere abgeschlachtet.\nWas geschah mit den anderen Tausenden? Die Amerikaner rückten vom Westen vor, die Russen vom Osten. Zwei Walzen. Die Lager-SS trieb die Ausgemergelten in Richtung Westen. Ein apokalyptischer Leidensweg, ein „Jüngstes Gericht“ auf deutschen Straßen. Überall Leichen. Wer nicht folgen konnte oder stolperte, wurde mit einem Kopfschuss oder Nackenschuss niedergestreckt. Die Bewohner der Dörfer hatten den Auftrag erhalten, sie zu begraben. Diese hatten Hände zu kurz, denn die Toten der einen Gruppe lagen noch nicht unter der Erde, da kam schon eine andere vorbei, die ebenso viele Opfer hinterließ. Abscheulich. Von den etwa 16.000 Gefangenen, die Flossenbürg Lebewohl gesagt hatten, sollten nach Zählung 2.654 Dachau erreichen. 5.400 Leichen unterwegs waren nicht mehr zu identifizieren.\nEmile Launois und seine Gruppe hatten das Glück gehabt, dass bei dem Überflug eines amerikanischen Flugzeugs und dem immer lauter werdenden Kanonendonner bei schärferem Feuer aus Maschinengewehren die deutschen Bewacher in Panik mit Sack und Pack die Flucht ergriffen. Die Gruppe Gefangener wurde blitzschnell ihrem Schicksal überlassen und konnte ohne jede Mühe den Amerikanern entgegengehen.\nDie Irrfahrt war zu Ende!\nEs wurde sofort ein Punkt hinter eine Schlächterzeit gesetzt, die aus einer Ideologie rund um „Führer, Volk und Vaterland“ gewachsen war: „Untermenschen“ hatten kein Recht auf Leben … Das Nazitum, geimpft mit dem Recht des Stärkeren, trieb in seiner Hochmut die ganze Menschheit gegen sich in den Harnisch. Es war fähig zu den schlimmsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Millionen Menschen gingen einen Leidensweg ohnegleichen in der Geschichte. Tausende Landsleute wurden wegen ihres politischen Erbes gefoltert, getötet. Möge man ihr Leiden im Freiheitskampf für Volk und Land niemals vergessen.\nFreiheit ist Recht, Freiheit ist Glück, Freiheit ist Zukunft, Freiheit ist Liebe, Freiheit ist Leben. FREIHEIT BANNT KRIEG.\nC.J. Droesbeke\nAddenda # Personalia: Constant Julien Droesbeke wurde am 25. April 1907 in Anderlecht geboren. Seit 1936 war er Berufsfotograf in Merchtem. Adresse: Krekelendries 4. Er leistete seinen Militärdienst beim 2. Regiment Gidsen, in dem er zum Ersten Wachtmeister befördert wurde.\nWiderstand: C.J. Droesbeke war 1941 unter der Nummer 2.777 Mitglied des F.I. (Unabhängigkeitsfront). 1942 kam er mit der „Gruppe G“ in Kontakt, unter der Nummer KM 12 A6 Sektion Bayard. Der Auftrag lautete: Beschaffung von Informationen über militärische und andere Zugtransporte auf den Linien Brüssel-Dendermonde-Seeküste und Brüssel-Antwerpen, sowie über das Eisenbahnarsenal in Mechelen und deutsche Lagerplätze.\nFerner: Sabotage deutscher Telefonverbindungen in Asse. Im Auftrag von Herrn Servais, Stevens de Lannoystraat 28, Laeken, wurde Droesbeke in geheime Waffen- und Munitionsabwürfe aus der Luft auf der Bosbeek-Brussegem einbezogen. Der Sprengstoff war für die Sprengung von Garagen bestimmt, die für die Deutschen arbeiteten.\nC.J. Droesbeke leistete auch Mitarbeit bei der Reproduktion von Fotos und Texten („ne travaillez pas pour Hitler, la mort vous attend“) zugunsten der Untergrundpresse, u. a. „De Klaroen“.\nIm Juni 1942 wurde C.J. Droesbeke von der B.N.B. (Belgische Nationale Bewegung) in die Widerstandsreihen aufgenommen, um die Untergrundzeitung „La Voix des Belges“ zu verteilen.\nBis zu seiner Verhaftung am 31. März 1944 hängte C.J. Droesbeke am 11. November, dem Gedenktag des Waffenstillstands des Ersten Weltkriegs, belgische Flaggen an Denkmälern in Merchtem, Mollem und Opwijk auf. In Opwijk stahl er mit der Mittäterschaft von Fräulein Tassenoy und Herrn Paul De Meersman die Namenslisten von Arbeitern, die für die Zwangsarbeit in Deutschland in Frage kamen, sowie die Lebensmittelmarken, um untergetauchte Widerstandskämpfer versorgen zu können.\nVerdiensturkunden:\na. Verleihung einer Urkunde für geleistete Dienste (Nachrichtenbeschaffung) und große Verdienste im aktiven Widerstand „für die auf glänzende Weise und mit großem Mut geführte gemeinsame Kampf gegen den Feind. Verhaftet und in Deutschland gefangen, nahm er eine höchst würdige Haltung gegenüber seinen Richtern ein. Ist auch schwer invalide. Gegeben durch Beschluss des Prinzregenten Nr. 2.783 vom 10. August 1946 und durch Beschluss Nr. 22.483 vom 20. Juli 1983.“\nb. Offizielle Erklärung des Bürgermeisters:\n„Der Bürgermeister der Gemeinde Merchtem erklärt, dass das Personenkraftfahrzeug von Droesbeke Constant-Julien aus Merchtem, Kennzeichen 333873, während der Mobilmachung des belgischen Heeres und des Krieges im Dienst war, bis das Fahrzeug als Kriegsbeute in deutsche Hände fiel. Danach hat Herr Droesbeke dieses Fahrzeug bei den Deutschen gestohlen und es während der Besatzung versteckt gehalten. Meiner Meinung nach war sein Wagen vor der Mobilmachung in gutem Zustand.\nMerchtem, 10. September 1946, Bürgermeister Van Ginderachter.“\nc. Certificate of Service:\nCertificate of Service d. Offizielle Erklärung des Polizeikommissars:\n„Der Unterzeichnete, Polizeikommissar der Gemeinde Merchtem, bestätigt, dass der genannte Droesbeke Constant Julien, politischer Gefangener, geboren in Anderlecht am 25. April 1907 und wohnhaft in Merchtem, Krekelendries 4, während des Krieges 1940–1945 sehr aktiv im Widerstand war und er über längere Zeit tatsächliche Hilfe an zwei untergetauchten russischen Staatsangehörigen leistete. Merchtem, 14. September 1966.“\nHilfe an Arbeitsverweigerer: Er gewährte Arbeitern, die zur Zwangsarbeit nach Deutschland verpflichtet wurden, Unterkunft und Verpflegung.\nHilfe an Russen, Amerikaner, Juden: Eines Nachts traf C.J. Droesbeke auf zwei russische Soldaten. Sie waren aus einem Arbeitslager an der verbrannten Brücke in Vilvoorde entkommen. Einer von ihnen, Wassili Kisolof, sprach ein wenig Französisch. Der zweite hieß Ivergnie Litsitjanskie. Droesbeke räumte für beide den Kleiderschrank leer und besorgte ihnen auch Identitätspapiere, die im Gemeindehaus von Sint-Jans-Molenbeek gestohlen worden waren. Die beiden Russen wurden anschließend auf Kosten von Herrn Droesbeke und dessen Mutter in der gemieteten Villa Abatuci an der Bosbeek in Brussegem (Merchtem) untergebracht. Beide unterhielten (Unterhalt, Verpflegung und Miete) die zwei Russen bis zur Befreiung. Nach ihrer Repatriierung gaben beide Russen weder Zeichen noch Leben mehr von sich.\nZwei amerikanische Flieger, die über Ath abgeschossen worden waren, gelangten bis Merchtem. Herr Droesbeke war zu diesem Zeitpunkt bereits von den Deutschen verhaftet und saß in Antwerpen in Haft. Der Merchtemer Widerstand wollte Kontakt mit Droesbeke aufnehmen, der Adressen kannte, wo die Amerikaner sicher unterkommen konnten. Die Mutter von Droesbeke erlangte über Bekannte Besuchsrecht bei ihrem Sohn. Das kostete sie 16.000 Franc und einen Schinken, aber sie erfuhr eine Adresse (kleine Bauern mit viel Mut in Breestraeten), wo die beiden Amerikaner bis zum Ende der Besatzung bleiben konnten. Einer der amerikanischen Flieger, Offizier Dingledine aus Washington, hielt lebenslang Kontakt mit den Merchtemer Wohltätern.\nBeleg über die Einzahlung von 15.000 Franc Beleg über die Einzahlung von 1.000 Franc C.J. Droesbeke und Albert Moons halfen dem belgischen Juden Chlema Seidenschnir an ein Versteck im Kloster in Mollem. Dieser Mann entging dadurch der Deportation in deutsche Konzentrationslager.\n","date":"20 Januar 2026","externalUrl":null,"permalink":"/de/posts/wals/","section":"Posts","summary":"Vorwort # Fünfundvierzig Jahre habe ich gewartet, um meine Memoiren über meine Erlebnisse im KZ Flossenbürg niederzuschreiben. Ich hätte sie früher zu Papier bringen sollen, denn auch die Geschichte ist über Flossenbürg hinweggegangen. Auschwitz, Dachau, Buchenwald, Bergen-Belsen sind seit Langem eingeprägte Schrecken, doch die „Hölle“ von Flossenbürg scheint unbekannt zu sein. Deshalb diese Broschüre, die eine Lücke schließen soll. Diese Broschüre ist zugleich eine Erinnerung an die Barbarei des Nazi-Regimes, die mit keinen Worten zu beschreiben war. Gleichzeitig verneige ich mich vor Zehntausenden und Aberzehntausenden Toten, Menschen, die sich gegen einen herzlosen Tyrannen aufgelehnt hatten und fern von Volk und Heimat wie Tiere starben oder abgeschlachtet wurden. Der Preis für die Freiheit war hoch und blutig. Jüngere Generationen tun gut daran, historisch-menschliche (keine demagogisch-politische) Lektüre über die KZ zu lesen, um sich mit dem Gedanken zu stärken: SO ETWAS DARF NIE WIEDER GESCHEHEN. Wenn das verwirklicht wird, werden der geleistete Widerstand und die Opfer von Millionen Menschen nicht vergeblich gewesen sein. DEMOKRATIE, DIE STIMME DES VOLKES IN VOLLER FREIHEIT, MUSS FÜR JEDEN EIN ANZUSTREBENDES IDEAL BLEIBEN. Die Broschüre ist auch streng persönlich, ohne mit denen abrechnen zu wollen, die in den eigenen Reihen Verrat begangen haben. Die Wahrheit behält stets ihr Recht. Schließlich ist diese Broschüre ein Geburtstagsgeschenk für meine Ehefrau, Kinder, Enkelkinder, Familienmitglieder und Freunde. Am 23. April 1945 wurde ich von den Amerikanern in Flossenbürg befreit. Ein „Geschenk“ zu meinem Geburtstag am 25. April. Ich war damals 38 Jahre alt. Fünfundvierzig Jahre später gebe ich es als Geschenk weiter.\n","title":"Der Walzer im Schatten","type":"posts"},{"content":"Warnhinweis: Enthält verstörende Bilder.\n","date":"20 Januar 2026","externalUrl":null,"permalink":"/de/gallery/","section":"Willkommen auf der Gedenkwebsite von Constant Julien Droesbeke.","summary":"Warnhinweis: Enthält verstörende Bilder.\n","title":"Fotoalbum des KZ Flossenbürg","type":"page"},{"content":"","date":"20 Januar 2026","externalUrl":null,"permalink":"/de/posts/","section":"Posts","summary":"","title":"Posts","type":"posts"},{"content":" Überlebender des Konzentrationslagers Flossenbürg. # Diese Seite hält die Geschichte von Constant Julien Droesbeke lebendig. Er überstand eine der dunkelsten Perioden unserer Geschichte. Hier lesen Sie über seine Prüfungen, seine unglaubliche Widerstandsfähigkeit und die Lehren, die wir noch heute aus seiner Geschichte ziehen können.\nIndem wir seine Erinnerungen teilen, ehren wir sein Leben und tragen seine Botschaft von Toleranz und Frieden an zukünftige Generationen weiter.\n","date":"20 Januar 2026","externalUrl":null,"permalink":"/de/","section":"Willkommen auf der Gedenkwebsite von Constant Julien Droesbeke.","summary":" Überlebender des Konzentrationslagers Flossenbürg. # Diese Seite hält die Geschichte von Constant Julien Droesbeke lebendig. Er überstand eine der dunkelsten Perioden unserer Geschichte. Hier lesen Sie über seine Prüfungen, seine unglaubliche Widerstandsfähigkeit und die Lehren, die wir noch heute aus seiner Geschichte ziehen können.\n","title":"Willkommen auf der Gedenkwebsite von Constant Julien Droesbeke.","type":"page"},{"content":" ° Constant Julien Droesbeke 25. April 1907 CJ Droesbeke wird in Anderlecht geboren. Deutschland fällt in Belgien ein 10. Mai 1940 Im Alter von 33 Jahren wurde CJ Droesbeke während der Mobilmachung einberufen. Er nahm am 18-Tage-Feldzug teil. Seine Stammnummer war 256.379; er war Wachtmeister beim 9. Eskadron, 2. Guides. CJ Droesbeke gehörte zu den Ersten in Merchtem, die ein Auto besaßen; er schenkte sein Fahrzeug der belgischen Armee. Belgien kapituliert 28. Mai 1940 CJ Droesbeke ist vom 25. Mai 1940 bis zum 28. Juni 1940 in Kriegsgefangenschaft. Durch die Kapitulation fällt auch der Wagen von CJ Droesbeke in die Hände der Deutschen. Er stiehlt seinen Wagen von den Deutschen zurück und stellt ihn dem Widerstand zur Verfügung. Der Wagen wird in der Garage Schelleman in Merchtem versteckt. Widerstand 1941 – 1944 Nach dem 18-Tage-Feldzug geht CJ Droesbeke in den Widerstand.\nEr wird Sektorleiter der Zone 2 – Sektor 4 für Relegem, Kobbegem, Hamme, Mollem, Asse, Mazenzele, Opwijk, Steenhuffel, Malderen, Londerzeel, Meise, Brussegem und Merchtem.\nSein Deckname im Krieg ist Rudolf oder Willy.\nEr wird Geheimdienstagent bei der Widerstandsgruppe Bayard.\nVerhaftung 31. März 1944 CJ Droesbeke wird im Haus seiner Mutter in der Koning Albertstraat 35 in Merchtem von der Geheimen Feldpolizei (G.F.P. 712) im Auftrag der Gestapo Brüssel verhaftet.\nDie Fahrt zur Dossin-Kaserne führt am Fort Breendonk vorbei, wo der deutsche Offizier sagte: „Dies wird Ihr zukünftiges Zuhause sein“.\nVon der Dossin-Kaserne geht es weiter in die Begijnenstraat 42, das Gefängnis von Antwerpen.\nVerhör und Folter 31. März 1944 – 9. Juli 1944 Von der Begijnenstraat ging es mehrmals zur Belgiëlei, wo sich das Gebäude der Geheimen Feldpolizei befand.\nDort wurde CJ Droesbeke mehrfach verhört. Diese Verhöre waren von Folterungen begleitet.\nBreendonk 9. Juli 1944 – 19. Juli 1944 Am 9. Juli wurde CJ Droesbeke in Breendonk inhaftiert. Deportation 19. August 1944 Nach Breendonk geht es erneut in die Begijnenstraat; sobald die Verhöre abgeschlossen sind, geht es in das Gefängnis von St. Gilles.\nAm 19. August geht es vom Bahnhof Schaerbeek mit dem Zug nach Köln. Über Köln geht es weiter über Bayreuth, Ebrach, Bamberg, Nürnberg und schließlich in das Konzentrationslager Flossenbürg. KZ Flossenbürg 16. Dezember 1944 16. Dezember, der Tag des Beginns der Ardennenoffensive: CJ Droesbeke kommt in Flossenbürg an. Die Amerikaner befreien das KZ Flossenbürg 23. April 1945 Am 23. April 1945 trifft die 90. US-Infanteriedivision in Flossenbürg ein. CJ Droesbeke ist frei und wieder zu Hause 26. Mai 1945 Ende der Gefangenschaft nach 422 Tagen. † Tod 9. Januar 2008 Am 9. Januar 2008 schläft CJ Droesbeke zu Hause friedlich ein; er wird fast 101 Jahre alt. ","date":"20 Januar 2026","externalUrl":null,"permalink":"/de/timeline/","section":"Willkommen auf der Gedenkwebsite von Constant Julien Droesbeke.","summary":" ° Constant Julien Droesbeke 25. April 1907 CJ Droesbeke wird in Anderlecht geboren. Deutschland fällt in Belgien ein 10. Mai 1940 Im Alter von 33 Jahren wurde CJ Droesbeke während der Mobilmachung einberufen. Er nahm am 18-Tage-Feldzug teil. Seine Stammnummer war 256.379; er war Wachtmeister beim 9. Eskadron, 2. Guides. CJ Droesbeke gehörte zu den Ersten in Merchtem, die ein Auto besaßen; er schenkte sein Fahrzeug der belgischen Armee. Belgien kapituliert 28. Mai 1940 CJ Droesbeke ist vom 25. Mai 1940 bis zum 28. Juni 1940 in Kriegsgefangenschaft. Durch die Kapitulation fällt auch der Wagen von CJ Droesbeke in die Hände der Deutschen. Er stiehlt seinen Wagen von den Deutschen zurück und stellt ihn dem Widerstand zur Verfügung. Der Wagen wird in der Garage Schelleman in Merchtem versteckt. Widerstand 1941 – 1944 Nach dem 18-Tage-Feldzug geht CJ Droesbeke in den Widerstand.\n","title":"Zeitstrahl","type":"page"},{"content":" Videos von kurz nach der Befreiung des KZ Flossenbürg # Your browser cannot play this video. Download video.\n(LIB 6223) Vermutlich 30. April 1945. Die Kamera schwenkt von links nach rechts und zeigt einen Überblick über das Zwangsarbeiterlager Flossenbürg, Baracken am Hang, Bäume und Berge im Hintergrund. Deutsche Zivilisten haben sich am Eingang des Lagers versammelt. Inschriften auf einem Betonpfosten am Tor. Schilder: „Vorsicht! Hochspannung Lebensgefahr“ und „Arbeit Macht Frei“. Nahaufnahme (CU) des elektrischen Stacheldrahts oben am Zaun und der Wachtürme. Ein improvisiertes, handgeschriebenes Banner am Lattenzaun: „Prisoners Happy End! Welcome!“. Innenaufnahme (INT), Nahaufnahme von vier nackten männlichen Überlebenden: zwei Juden, ein Franzose, ein Pole, mit tätowierten Nummern auf der Brust. Mehrere Aufnahmen. Schwenk hinunter zu den Füßen (bei zwei Personen sind die gestreiften Uniformhosen heruntergezogen). Nahaufnahme der ausgemergelten Rückansicht eines Überlebenden. 02:44:59 Sequenz: Ein ehemaliger französischer Häftling führt einen US-Soldaten durch das unterirdische Krematorium (Zugang zum Untergrund durch ein Metallgitter). Ansicht des Lagers. Überlebende (in normaler Kleidung) spalten und stapeln Holz. Nahaufnahme des Schriftzugs „Desinfektion“ auf einer Ziegelwand. Entsorgung heißer Asche aus dem Krematorium in eine nahegelegene Grube. Amerikaner und Zivilisten graben die Leichen von Zwangsarbeitern aus, die während der Todesmärsche getötet wurden; alle sind bekleidet. Großaufnahme (VCU) der Toten. Drei ältere männliche Zivilisten sprechen mit einem Soldaten. Weitere Leichen werden ausgegraben und in Reihen nebeneinander gelegt. Verschiedene Nahaufnahmen, darunter eine blutige Brust und eine Häftlingsuniform met einem dreieckigen Aufnäher (Winkel) und einer Halskette mit Kreuz.\nYour browser cannot play this video. Download video.\n(LIB 6355) 4. Mai 1945. Ansicht der Gebäude des Konzentrationslagers. Nahaufnahme eines Schilder mit der Aufschrift „Zugang zu den Krankenbaracken“ mit Figuren. Stacheldrahtzaun und Wachturm um das Zwangsarbeiterlager Flossenbürg. Nahaufnahme einer von Einschüssen gezeichneten und blutverschmierten Wand – der Ort der Hinrichtungen im Lager. Innenaufnahmen, Baracken/Unterkünfte, tote Häftlinge. Stahlgitter über einer offenen Grube, Krematorium in einer von einer hohen Steinmauer umschlossenen Grube. Verkohlte Knochen von kremierten Opfern des Lagers. Halbtotale (MS), ein Pferdefuhrwerk transportiert Särge an den Gebäuden des Konzentrationslagers vorbei.\nOpfer der Todesmärsche # Your browser cannot play this video. Download video.\n(LIB 5968) Schwarzenfeld, Deutschland. Weitaufnahme (LS) von vielen Särgen, die auf Pferdewagen geladen sind. Deutsche Zivilisten aus Schwarzenfeld laden die Särge ab und tragen sie an Reihen von Leichen vorbei. Viele Zivilisten heben Gräber in einem eingezäunten Bereich aus. An mindestens einer der zur Bestattung bereitliegenden Leichen sind Reste einer gestreiften Uniform zu sehen. Im Hintergrund sind Häuser sichtbar. Die Opfer starben auf einem von mehreren Evakuierungstransporten von Flossenbürg in Richtung Dachau. Am 16. April verließ een Transport mit etwa 1700 jüdischen Häftlingen Flossenbürg. In der Nähe von Schwarzenfeld wurde ihr Zug von alliierten Flugzeugen unter Beschuss genommen und zerstört, wobei einige Häftlinge getötet und weitere von der SS erschossen wurden. Schätzungsweise 7.000 Häftlinge starben auf den Evakuierungstransporten aus Flossenbürg. Bis in die späten 1950er Jahre wurden in diesem Gebiet immer wieder Massengräber entdeckt.\n","externalUrl":null,"permalink":"/de/video/","section":"Willkommen auf der Gedenkwebsite von Constant Julien Droesbeke.","summary":"Videos von kurz nach der Befreiung des KZ Flossenbürg # Your browser cannot play this video. Download video.\n(LIB 6223) Vermutlich 30. April 1945. Die Kamera schwenkt von links nach rechts und zeigt einen Überblick über das Zwangsarbeiterlager Flossenbürg, Baracken am Hang, Bäume und Berge im Hintergrund. Deutsche Zivilisten haben sich am Eingang des Lagers versammelt. Inschriften auf einem Betonpfosten am Tor. Schilder: „Vorsicht! Hochspannung Lebensgefahr“ und „Arbeit Macht Frei“. Nahaufnahme (CU) des elektrischen Stacheldrahts oben am Zaun und der Wachtürme. Ein improvisiertes, handgeschriebenes Banner am Lattenzaun: „Prisoners Happy End! Welcome!“. Innenaufnahme (INT), Nahaufnahme von vier nackten männlichen Überlebenden: zwei Juden, ein Franzose, ein Pole, mit tätowierten Nummern auf der Brust. Mehrere Aufnahmen. Schwenk hinunter zu den Füßen (bei zwei Personen sind die gestreiften Uniformhosen heruntergezogen). Nahaufnahme der ausgemergelten Rückansicht eines Überlebenden. 02:44:59 Sequenz: Ein ehemaliger französischer Häftling führt einen US-Soldaten durch das unterirdische Krematorium (Zugang zum Untergrund durch ein Metallgitter). Ansicht des Lagers. Überlebende (in normaler Kleidung) spalten und stapeln Holz. Nahaufnahme des Schriftzugs „Desinfektion“ auf einer Ziegelwand. Entsorgung heißer Asche aus dem Krematorium in eine nahegelegene Grube. Amerikaner und Zivilisten graben die Leichen von Zwangsarbeitern aus, die während der Todesmärsche getötet wurden; alle sind bekleidet. Großaufnahme (VCU) der Toten. Drei ältere männliche Zivilisten sprechen mit einem Soldaten. Weitere Leichen werden ausgegraben und in Reihen nebeneinander gelegt. Verschiedene Nahaufnahmen, darunter eine blutige Brust und eine Häftlingsuniform met einem dreieckigen Aufnäher (Winkel) und einer Halskette mit Kreuz.\n","title":"","type":"page"},{"content":"","externalUrl":null,"permalink":"/de/authors/","section":"Authors","summary":"","title":"Authors","type":"authors"},{"content":"","externalUrl":null,"permalink":"/de/categories/","section":"Categories","summary":"","title":"Categories","type":"categories"},{"content":"Es ist unmöglich, ein wahres Bild der Grausamkeit im KZ Flossenbürg zu bekommen, wenn man nicht selbst dort gewesen ist. Wir tun gut daran, so viele Zeugnisse wie möglich zu lesen, aber schon beim Blick auf die Zahlen begreift man, dass es eine wahre „Todesfabrik“ war.\nDie Ankunft von C.J. Droesbeke # Am 16. Dezember 1944 – dem Tag, an dem auch die Ardennenoffensive begann – kam C.J. Droesbeke in Flossenbürg an. An diesem Tag trafen zwei Transporte ein:\n**Transport 1 (Staatspolizeistelle Chemnitz)**: 56 Männer, darunter 25 Belgier, 16 Franzosen, 11 Niederländer, 2 Polen und 2 Tschechen. **Transport 2 (Staatspolizeistelle Nürnberg-Fürth)**: 95 Männer, darunter 57 Belgier und 38 Franzosen. Insgesamt kamen an diesem Tag 151 Gefangene an. Ihnen wurden Häftlingsnummern zwischen 37.791 und 39.941 zugewiesen. C.J. Droesbeke war Teil des zweiten Transports und erhielt die Nummer 39.888.\nEine Überlebenschance von 12 % # Von diesen 151 Personen wurden 74 in andere Lager weitergeleitet. Von den 77 Gefangenen, die in Flossenbürg blieben, sollten letztendlich nur 9 überleben. C.J. Droesbeke war einer von ihnen.\nDies bedeutet, dass sage und schreibe 88 % das Grauen nicht überlebten. Für diejenigen, die es nicht schafften, dauerte der Kampf im Durchschnitt nur 70 Tage. Sechs von ihnen starben sogar weniger als 15 Tage vor der Befreiung. Die Zahlen sprechen für sich.\nZeugnis von Richard Coudenijs # In dem Buch Getuigenissen uit de concentratiekampen (Martin Heylen \u0026amp; Marc Van Hulle) berichtet Richard Coudenijs über seinen kurzen, aber traumatischen Aufenthalt:\nAm 13. März 1945 kam Richard für nur fünf Tage nach Flossenbürg, aber das reichte aus, um zu begreifen, was für ein höllischer Ort es war. „Bei unserer Ankunft wurde zur Unterhaltung der deutschen Lagerwachen ein Gefangener vor meinen Füßen zu Tode geprügelt. ‚Ihnen muss man aus den Händen bleiben‘, dachte ich sofort. Ein Stück weiter erhielt ein gerade angekommener behinderter Gefangener eine Spritze, woraufhin er sofort tot zusammenbrach. Ja, ich schätze mich immer noch glücklich, dass sie mich dort nur fünf Tage behalten haben\u0026hellip;“\nListe 16.12.1944 # Hier folgt die Liste der 151 Gefangenen, die am 16.12.1944 in Flossenbürg ankamen:\nKZ-Häftlingsnr. ⇅ Nationalität ⇅ Nachname ⇅ Vorname ⇅ Geburtsdatum ⇅ Geburtsort ⇅ Sterbedatum ⇅ Alter bei Ankunft ⇅ Beruf ⇅ 39791 Tscheche Spot Karel 22-8-1920 Tocnik 24 Beamter 39792 Tscheche Blazek Jaroslav 11-8-1917 Zasada 15-4-1945 27 Drogist 39793 Belgier Verhellen André 7-3-1910 Brüssel 6-3-1945 34 Drucker 39794 Niederländer Hendriks Dzienus 9-3-1924 Musselkanaal 20 Buchhalter 39795 Niederländer Merlent Gerhard 9-9-1918 Koudekerke 19-2-1945 26 Koch 39796 Belgier Aerts Jan 20-6-1924 Begijnendijk 16-3-1945 20 Spediteur 39797 Belgier Macquart Lucien 20-12-1917 Tournai 26 Dreher 39798 Belgier Stiell Raoul 20-10-1912 Brüssel 4-2-1945 32 Angestellter 39799 Belgier Addans Frederic 15-10-1912 Vorst 32 Dreher 39800 Belgier Impatient Felix 5-1-1913 Brüssel 31 Arbeiter 39801 Belgier Pype Henricus 8-12-1923 Beveren - Roeselare 22-2-1945 21 Kaufmann-Dolmetscher 39802 Belgier Van Muysewinkel Josepf 21-3-1918 St. Pieters Leeuw 19-3-1945 26 Fräser 39803 Niederländer Jansen Lucas 31-12-1920 Groningen 8-3-1945 23 Kaufmann 39804 Niederländer Bogers Hendricus 30-11-1919 Breda 25 Schlosser 39805 Niederländer Weenink Cornelis 23-5-1921 Utrecht 24-2-1945 23 39806 Franzose Montagut Marcelin 4-11-1922 Bordeaux 22 Klempner 39807 Belgier Lappere Marcel 13-9-1924 Wevelgem 20 Kraftfahrer 39808 Pole Pawolik Ludwik 21-5-1902 24-3-1945 42 39809 Niederländer Dekens Bernardus 15-6-1920 Exloo 10-2-1945 24 Fräser 39810 Belgier Dallequin Nestor 19-12-1923 Poperinge 20 Bauer 39811 Franzose Perrier Jean 1-6-1923 Saint Etienne Loire 21 Dreher 39812 Niederländer Olinga Mathias 7-12-1923 Groningen 12-5-1945 21 Metallarbeiter 39813 Belgier Jacobs Gerard 31-8-1921 Kotem 23 Monteur 39814 Belgier Vereruysse Albert 3-9-1923 Elsegem 9-3-1945 21 Bauer 39815 Belgier De Kesel Honoré 28-8-1919 Lovendegem 19-2-1945 25 Landwirt 39816 Niederländer Jepma Johannes 3-11-1922 Harlingen 22-1-1945 22 Dreher 39817 Niederländer Stevens Pieter 20-8-1920 Rouiner Wold 10-4-1945 24 Pfleger 39818 Niederländer Groenwold Reinder 6-8-1923 Start-Kannal 21 Metallarbeiter 39819 Franzose Lemaire Gerard 12-9-1912 Saint-Andre 16-3-1945 32 Direktor (Textil) 39820 Belgier Declercq Philippe 14-9-1924 Vilvoorde 20 Maurer 39821 Franzose Delaunay Leon 30-11-1908 Viebogau 36 Bauer 39822 Niederländer Welterz Elzo 23-9-1923 Oude Pekela 4-2-1945 21 Dreher 39823 Franzose Beauvais Camille 12-4-1910 Paris 2-4-1945 34 Papiermacher 39824 Pole Wabik Jan 6-2-1926 Radom 18 Schlosser 39825 Franzose Maja Emile 21-6-1924 Lyon 20 Monteur 39826 Belgier Lhoir Raymond 10-6-1923 Villeneuwe la Gyard 19-2-1945 21 Friseur 39827 Belgier Verbinnen Prudent 14-1-1924 St Pieters Rode / 20 Bauer 39828 Belgier Minner Felix 30-10-1913 Pamel 16-2-1945 31 Lederarbeiter 39829 Franzose Danieul Albert 12-12-1923 Paris 21 39830 Belgier Geyssens Ludowikus 21-9-1900 9-3-1945 44 Zimmermann 39831 Belgier Heyvaert Hendrik 16-9-1922 Marchelen 22 Koch 39832 Belgier Lodewiks Henri 29-3-1923 Schaarbeek 26-3-1945 21 Friseur 39833 Belgier Robyns Guillaume 1-2-1903 Löwen 10-2-1945 41 Transportunternehmer 39834 Belgier Kuipers Antoun 2-10-1921 Marseille 6-3-1945 23 Kraftfahrer 39835 Franzose Duteil Henri 26-4-1915 Genevilie 9-3-1945 29 Koch 39836 Franzose Gastel André 26-6-1920 Saint Aubin le Cloud 11-1-1945 24 Dreher 39837 Franzose Hamel Denis 16-1-1916 Mers-les-Bains 28 Automechaniker 39838 Franzose Malett Maurice 8-1-1908 Marseille 36 Automechaniker 39839 Franzose Maniez Marcel 10-7-1921 Vendin les Bethunes 21-1-1945 23 Bergarbeiter 39840 Franzose Debrigode Georges 17-7-1895 Vervins 49 Monteur 39841 Belgier Van Hecke Henri 20-2-1898 Ixelles 7-2-1945 46 Maler 39842 Belgier Bonnier Pierre 19-12-1921 Ottignies 22 Landarbeiter 39843 Franzose Dischler Paskal 24-9-1911 Lisieux 33 Lehrer 39844 Franzose Chabot Emil 21-6-1922 Angouleme 16-3-1945 22 Arbeiter 39845 Belgier Van Eenoo André 5-8-1920 Torhout 10-2-1945 24 Bäcker 39846 Franzose Renoncet Raymond 15-8-1922 Villantroix 22 Schlosser 39847 Belgier Lambotte Emile 29-6-1913 Lüttich 31 Bergarbeiter 39848 Belgier Puystiens Gerard Isidoore 26-5-1922 Oostduinkerke 10-1-1945 22 Bäcker 39849 Franzose Olivier Guy 10-6-1920 Tours 24 39850 Belgier Lambert Georges 1-10-1909 Havreille 2-2-1945 35 39851 Belgier Goyvaerts Henri Frans Maria 15-1-1922 Bouchout 11-1-1945 22 Dreher 39852 Franzose Streel René Marcel Gilles 2-2-1919 Roi Luxemburg 25 Metallarbeiter 39853 Franzose Mizera Josef 18-3-1915 Cschechowitze 6-3-1945 29 Bergarbeiter 39854 Belgier Peeraer Alois Benait Marc 19-5-1905 Turnhout 39 Kaufmann 39855 Belgier Laloy Gaston Nikolas 31-5-1923 Ixelles 21 Monteur 39856 Belgier Rabau Jean Jacques Maurice 7-9-1922 Mendock 22 Hilfsmonteur 39857 Franzose Vanghelle Jean Celestin 16-12-1913 Lens 31 Verkäufer-Fahrer 39858 Belgier Pauwels Pierre Jean Joseph 21-2-1907 Molenbeek 37 Masseur 39859 Belgier Peeraer Alfons 21-7-1922 Turnhout 22 Student 39860 Franzose Dubois Desire Leon 22-8-1896 Noyelles sur selles 48 Lagerarbeiter 39861 Franzose Doyen Noel 25-12-1925 Thyle chateau 29-1-1945 18 Metallarbeiter 39862 Franzose Laplume Eugène Jules Joseph 26-6-1925 La Bourse 19 Metzger 39863 Franzose Dubois Anselme 26-2-1921 Colonne-Rucouart 23 Bergarbeiter 39864 Belgier Beuten Willy Leopold 11-4-1917 Ledeberg 27 Kraftfahrer 39865 Belgier Desloover Jerôme Cyriel 22-2-1922 Rosult 22 Kraftfahrer 39866 Franzose Langrand Adrien 29-4-1918 Ohain 26 Metallarbeiter 39867 Franzose Doolaghe Albert 21-2-1914 Colonne-Rucouart 30 Bergarbeiter 39868 Franzose Samiez Henri François 27-4-1909 Cominnes 8-4-1945 35 Elektriker 39869 Belgier Meunier Victor 10-12-1921 Messancy 23 Hochofenarbeiter 39870 Franzose Roux Kleber 29-5-1923 Juimont 21 Bäcker 39871 Belgier Burnay Erasme 19-5-1925 Dinant 19 Metallarbeiter 39872 Franzose Fillatre Roger 11-9-1920 Le Havre 24 Monteur 39873 Franzose Blairon Emmanuel 21-9-1911 Maubeuge 33 Kraftfahrer 39874 Belgier Verbeke Kamiel Petrus Joseph 18-3-1915 Oudenbourg 29 39875 Belgier De Clerck Leopold Jean 15-3-1919 Brüssel 25 Schweißer 39876 Belgier Chevalier Jules 13-1-1898 Evrehailles 46 39877 Franzose Barrois Jean Baptiste 25-5-1926 Marles les Mines 18 Bergarbeiter 39878 Franzose Lambert Maurice Henri 10-3-1912 Pre st. Gervais 32 Metallpolier 39879 Franzose Regnault Louis Auguste 10-11-1907 Loisy sur Marne 37 Kaufmann 39880 Belgier Jacques Fernand 26-5-1897 Tubize 47 Maschinist 39881 Franzose Thomas Pierre 23-1-1926 Paris 18 Bergarbeiter 39882 Franzose Coupet Henri Charles 21-3-1924 Beuvry 20 39883 Franzose Leys Paul 26-7-1919 Leers 25 Kraftfahrer 39884 Franzose Louvet Jules 18-10-1912 Annequine 18-1-1945 32 39885 Belgier Tutelaire Camille Leopold 14-6-1901 Neuville 43 Maler 39886 Franzose Michaux Hermand Paul 21-1-1903 Aiseau 41 Metallarbeiter 39887 Belgier Goyvaerts Karel 22-6-1925 Bouchout 19 Schneider 39888 Belgier Droesbeke Constant Julien 25-4-1907 Anderlecht 37 Fotograf 39889 Belgier Dedobbeleer Josef 12-10-1886 Mark 24-1-1945 58 39890 Franzose Cardinal François 13-6-1911 Maubeuge 33 Säger 39891 Belgier Le bacq Horace Ghislain 20-5-1906 Couillet 6-2-1945 38 39892 Belgier Huens Robert Ghislin Alexis 30-11-1910 Charleroi 21-2-1945 34 39893 Belgier Jooris André 2-5-1910 Brüssel 22-4-1945 34 39894 Belgier Papa Julien 2-10-1910 Andenne 34 39895 Belgier Delfosse Lucien 10-3-1911 Lüttich 23-3-1945 33 Schiffskapitän 39896 Belgier Richard Marcel Paul Marc 23-10-1914 Louvignies 28-1-1945 30 Elektrotechniker 39897 Franzose Luciez Jean 10-11-1920 Louvignies 6-3-1945 24 Metallarbeiter 39898 Belgier Heuse Maurice Karl Emile 2-8-1922 Bressoux 21-3-1945 22 Kaufmann 39899 Belgier Tricot Jules Raymond 20-10-1908 Wavre 36 Mathematiker 39900 Belgier Wouters Albert 8-8-1917 Antwerpen 22-2-1945 27 39901 Belgier Van Elder Jacques Leon Maria 29-4-1921 Brüssel 16-3-1945 23 39902 Franzose Van Hecke Alfred 9-2-1908 Waterlau 36 Schlosser 39903 Franzose Hocq Aurelien 7-5-1900 Burbur 17-1-1945 44 Bergarbeiter 39904 Franzose Vasseur Philomon 21-9-1921 Mars-Les-Mines 23 Bergarbeiter 39905 Belgier Louis Roger Aimé 5-6-1913 Falisolle 31 Elektrotechniker 39906 Belgier Todts Alfons 27-8-1922 Temse 27-1-1945 22 Monteur 39907 Franzose Desfontaines Casimir 4-3-1923 Allouagne 16-3-1945 21 Bergarbeiter 39908 Franzose Manard Albert Louis Fabien 29-4-1912 Anzin 22-2-1945 32 Lehrer 39909 Franzose Masse Georges 2-3-1906 Raismes 3-4-1945 38 Monteur 39910 Belgier Latour Baudoin 5-9-1907 Goyer 31-1-1945 37 39911 Franzose Potier Jules 11-3-1908 Haunot 36 Elektrotechniker 39912 Belgier Leonard Marcel 27-4-1921 Chaudfontaine 23 Metallarbeiter 39913 Belgier Raskin Charles Pierre Joseph 3-12-1920 Angleur 24 Metallarbeiter 39914 Belgier Bouvy Paul Diedonne Joseph 23-1-1911 Lüttich 13-4-1945 33 Metallarbeiter 39915 Belgier Destree Marcelin Francois 4-5-1917 Rouvreux 22-2-1945 27 39916 Belgier Lekeu Walter 12-4-1919 Adrimont 16-3-1945 25 Arbeiter 39917 Belgier Gillet Paul Pierre Antoine 27-4-1915 Limbourg 29 Mitarbeiter Arbeitsamt 39918 Belgier Aerts Josef 8-3-1918 Vosselaar 26 Lehrer 39919 Belgier Deckx Edward 27-4-1903 Mol 41 Garagenbesitzer 39920 Belgier Lenaerts Albert 12-9-1915 Turnhout 16-2-1945 29 39921 Belgier Bouffioux Guy Nestor 7-8-11 Ixelles 19-3-1945 33 Elektromonteur 39922 Belgier De Landstheer Tony Jean Albert 25-6-1906 Dendermonde 19-3-1945 38 39923 Belgier Vanhee Richard 7-3-1901 Bissegem 12-1-1945 43 39924 Belgier Verlent Pierre 10-7-1918 Etterbeek 5-3-1945 26 Arbeiter 39925 Belgier Becker Roger Clement 20-6-1922 Jodoigne 22 Elektrotechniker 39926 Franzose Carton Gerard 18-11-1918 Lacelle 26 Zimmermann 39927 Belgier Ducamp Christian Amoury 15-1-1905 La Roche 18-2-1945 39 39928 Belgier Schoesetters Gerard 27-3-1902 Hemiksem 9-3-1945 42 39929 Franzose Beudaert Felicien 13-10-1916 Anneguin 28 Elektriker 39930 Belgier Megens Emmanuel 15-3-1920 Anderlecht 19-2-1945 24 Elektrotechniker 39931 Belgier Bonvoisin Joseph André 19-11-1911 Bressoux 23-1-1945 33 Metallarbeiter 39932 Belgier Michel François Sylvain 21-5-1901 Nivelles 43 39933 Franzose Mairesse Gaston Louis 26-6-1923 Avesnes Help 21 Metallarbeiter 39934 Franzose Wautier Emile 26-1-1905 Etroeingt 39 Monteur 39935 Franzose Bougis Maurice 13-4-1922 Nantes 28-3-1945 22 Kraftfahrer 39936 Franzose Bragard Joseph 25-10-1903 Allondrelle 11-4-1945 41 Schuhmacher 39937 Franzose Lancelle Louis 1-1-1914 Bouvins 8-2-1945 30 Gärtner 39938 Belgier Meeusen Constant Carl 19-11-1902 Antwerpen 16-2-1945 42 39939 Belgier Jehu Maurice Joseph 21-5-1910 Thuin 24-4-1945 34 Elektriker 39940 Belgier Terrijn Henri Emile Anatole 20-9-1911 Wetteren 19-1-1945 33 Elektrotechniker 39941 Belgier Delchambre Antoon 8-7-1893 Vedrin 9-1-1945 51 ","externalUrl":null,"permalink":"/de/posts/transport16121944/","section":"Posts","summary":"Es ist unmöglich, ein wahres Bild der Grausamkeit im KZ Flossenbürg zu bekommen, wenn man nicht selbst dort gewesen ist. Wir tun gut daran, so viele Zeugnisse wie möglich zu lesen, aber schon beim Blick auf die Zahlen begreift man, dass es eine wahre „Todesfabrik“ war.\nDie Ankunft von C.J. Droesbeke # Am 16. Dezember 1944 – dem Tag, an dem auch die Ardennenoffensive begann – kam C.J. Droesbeke in Flossenbürg an. An diesem Tag trafen zwei Transporte ein:\n","title":"Die Zahlen der Hölle: Transport 16. Dezember 1944","type":"posts"},{"content":"","externalUrl":null,"permalink":"/de/series/","section":"Series","summary":"","title":"Series","type":"series"},{"content":"","externalUrl":null,"permalink":"/de/tags/","section":"Tags","summary":"","title":"Tags","type":"tags"}]